Unterwegs von Faial nach São Jorge sahen wir eine wirklich große Schule von Grindwalen … bestimmt mehr als 20 Tiere, die sehr entspannt um uns herumschwammen. Diesmal waren es wirklich Grindwale, das haben wir mit Monika von der PFADFINDER abgestimmt, denn die kennt sich aus. Auf der langen Überfahrt hatten wir auch Grindwale gesehen, dachten wir fälschlicherweise, denn es waren tatsächlich Buckelwale, wie sie uns erklärte, als sie den Blog las.
Wir kamen nachmittags auf São Jorge an, der dritten von uns besuchten Azoreninsel, wo es in der Ankerbucht von Velas schon ziemlich voll war, aber wir fanden noch einen Platz und nach uns kamen
noch weitere 4 Boote. Da der Hafen keinen Platz für uns hatte, machten wir das Dinghi klar und fuhren zum Anmelden. Der supernette Hafenmeister stellte uns einen Platz für den nächsten Tag in
Aussicht und gab uns schonmal eine Karte für das Tor am Steg und die Sanitäranlagen. Nach einem Bier in der nahegelegenen Bar ging´s zurück und wir verbrachten, nach langer Zeit mal wieder eine
Nacht vor Anker. Sobald es dunkel wurde lockte uns ein sehr seltsames Geräusch an Deck. Es klang wie: „Aua … Aua … Aua … Ahhh … Aua … Aua!“ Wie wir schon gehört hatten, waren dies
Gelbschnabelsturmtaucher, die in den Felswänden um uns herum wohnten und die ganze Nacht über, wen auch immer, riefen. Das war schon sehr speziell!
Am nächsten Morgen fuhr Thomas mit dem Dinghi in den Hafen und … unser Platz war schon frei … hatten wir gar nicht mitbekommen. Wir verstauten also ruck-zuck den Außenborder und das Dinghi,
bauten Fender und Leinen an, gingen Anker auf und fuhren durch die knifflige, weil flache, Einfahrt, Jutta maulte: „… und wieder alles vorm Frühstück!“ Die Plätze in dem winzigen Hafen waren sehr
begehrt, besonders für große Schiffe gab es nicht viele, es half also nix!
Da wir am Vortag schon ein Auto reserviert hatten, das im Hafen stand, konnten wir direkt starten. Wir fuhren erstmal zum Supermarkt, um uns einen Überblick zu verschaffen und gingen endlich Frühstücken. Erste Station war die Käserei in Beira, die den berühmten São Jorge- Käse herstellte. Leider gab es an dem Tag keine Führung in englischer Sprache, aber wir buchten eine für den nächsten Tag.
Wir fuhren zunächst zur Nordspitze der langgestreckten Insel, vorbei an einem sehr schönen Park, der irgendwie mystisch war … unterwegs kam uns eine Rinderherde entgegen, die einem Pick-Up hinterhereilte, … überhaupt gab es hier sehr viele Kühe auf der Insel (45 000 bei etwa 9 000 Einwohnern, wie wir später erfuhren). An der Nordspitze gab es einen Leuchtturm, der nicht mehr in Betrieb war und eine Walbeobachtungsstation, von der aus früher Wale zur Jagd gesichtet wurden. Es gab dann verschlüsselte Funksprüche, damit die anderen Inseln nicht mitbekamen, dass Wale gesichtet wurden. Hier ließen wir THEO II, unsere Drohne fliegen. THEO I war ja leider an der Ostküste der USA abgestürzt und im trüben Wasser des ICW auf Nimmerwiedersehen versunken.
Wir sahen uns noch Urzelina, ein hübscher Ort mit Naturschwimmbecken und Calheta, ein kleiner Ort mit Museum in ehemaliger Thunfischfabrik, an der Südküste an. Wir verlängerten unser Mietauto um einen weiteren Tag, denn wir hatten erst einen kleinen Teil der Insel erkundet.
Der zweite Tag war etwas regnerisch, also gut für die Führung in der Käserei. Hier hatten wir Glück, waren die einzigen Teilnehmer und erfuhren eine Menge über die Käseherstellung und ein paar
persönliche Dinge des netten Guides. Anschließend fuhren wir, vorbei an einer Kaffeeplantage ans andere Ende der Insel, nach Topo. Hier am Leuchtturm zog das Wetter immer mehr zu und es wurde
stürmisch und neblig … Zeit zum Umkehren. Abends, nachdem es dunkel geworden war, wollten wir uns diese Vögel mit dem seltsamen Geschrei einmal näher ansehen und gingen zur Mole am Fuß der großen
Felswand, die den Hafen von Velas schützte. Hier flogen uns die Gelbschnäbel um die Köpfe und wie versuchten dieses seltsame Schauspiel mit den Handys aufzunehmen.
Der dritte Tag mit Auto führte uns an die Nordküste von São Jorge, die noch sehr ursprünglich geblieben ist. Auf dem Weg lagen viele Fajãs, das sind kleine, flache Bereiche direkt am Meer, die durch Lavaströme oder herabstürzende Felsen verursacht wurden. Zu manchen führte eine steile Straße und zur Fajã d`Além tatsächlich nur eine Lastenseilbahn und ein steiler Abstieg von knapp 3 Stunden über einen steilen Fußweg … unter stehen ein paar Häuser und kleine Parzellen mit Weinreben.
Zu einigen Fajãs fuhren wir mit dem Auto runter zu natürlichen Badebecken aus Lavagestein und zu einem natürlich entstandenen Torbogen aus Lavagestein.
Den Abschluss bildete ein Besuch im Museum Francisco de Lacerda in Calheta, das im Gebäude der ehemaligen Thunfischfabrik untergebracht ist. Hier kann man Historisches über die Insel, über den Thunfischfang und die Weiterverarbeitung erfahren. Wir hatten uns in Velas im Supermarkt schon mit den lokal hergestellten Thunfischdosen „Santa Catarina“ in verschiedenen Geschmacksrichtungen eingedeckt. Auf dem Rückweg ging`s noch kurz in der Käserei vorbei, um eine Auswahl des leckeren Käses zu kaufen.
Wir verbrachten noch ein paar Tage in Velas mit ein bisschen Haushalt, Einkaufen und netten Gesprächen und gegenseitigen Besuchen mit Stegnachbarn. Auch hier fanden sich gemalte Logos von alten und neuen bekannten Booten auf der Mole.
Hier ein Video über Sao Jorge.
Montags früh verließen wir Velas, nachdem das holländische Boot, mit dem wir im „Päckchen“ lagen, die BINKY, die Leinen gelöst hatte. Wir folgten der BINKY Richtung Terceira, der vierten Insel, die wir besuchen wollten. Die Etappe ließ sich an einem Tag bewältigen, wir sahen eine große Schule von Risso Delfinen und kamen nachmittags in Angra do Heroismo (Unesco- Weltkulturerbe) auf Terceira an.
Die Häfen auf den Azoreninseln lassen sich nicht reservieren und haben alle den gleichen Preis … man fährt hin und bekommt einen Platz oder eben auch nicht. Wir legten am stark schwankenden Meldesteg an und bekamen noch einen Platz an einer größeren Yacht an einem Kopfsteg … das war nicht so schlecht, denn hier war der Schwell erträglich. Die BINKY, die einen der letzten Gastplätze ergattert hatte, hatte weniger Glück … der Steg, an dem sie lagen, bewegte sich wild im Schwell auf und ab. Das ließ sich nur bedingt mit Ruckdämpfern (Gummipuffer an Leinen oder Metallfedern an den Klampen) abfangen. Der Hafen von Angra ist berüchtigt für seine unruhigen Liegeplätze, aber die Ankerbucht vor der Stadt war auch nicht besser, hier tanzten ein paar Schiffe auch wild auf und ab.
Abends lief das WM-Fußballspiel Deutschland gegen Paraguay mit bekanntem Ausgang. Dieses Schicksal teilten wir mit den holländischen Nachbarn … O-Ton: „Lass uns bloß nicht über Fußball reden!“
Gleich am Dienstag hatten wir ein Auto online gebucht, denn ab Mittwoch sollte das Wetter schlechter werden. Mit 25€ pro Tag für einen kleinen Renault Clio, war das hier supergünstig.
Wir fuhren erstmal einkaufen, dann frühstücken und dann mal an der Ostküste entlang nach Praia do Vitória, den zweiten Hafen auf Terceira, auch ein hübscher kleiner Ort. Nach einem Café auf dem Marktplatz ging´s weiter zu ein paar Schwefelquellen im Inland „Furnas do Enxofre“, die spektakuläre Höhle in der Nähe war leider derzeit geschlossen.
Zufällig kamen wir unterwegs an einer Farm vorbei, wo ein paar Autos parkten und sich eine Gruppe Leute sammelte … neugierig, wie wir sind, guckten wir mal, was da los war. Hier übten sich ein paar Jungs im Stierkampf mit wechselnden Jungtieren, die auf diese Weise lernten, wie das Spiel geht. Dies hat eine lange Tradition auf Terceira … historisch hatten die Bewohner der Insel ihre Kolonialherren, die Spanier, mithilfe von Stieren von der Insel gejagt.
Unser Plan war es, gegen 17.00 Uhr in Vila Nova, einem kleinen Dorf an der Nordküste, zu sein für eine „Tourada a corda“, eine Stierjagd am Seil innerhalb eines Dorfes, aber vorher hatten wir noch Zeit für einen Besuch der Serra de Santa Bárbara, einem Vulkankrater, der aber nicht so spannend war. Wieder zurück an der Küste fuhren wir vorbei an wunderschönen Naturschwimmbecken, die es überall rund um die Insel gab. Diese Schwimmbecken waren toll angelegt, von Rettungsschwimmern bewacht, mit Duschen und Sanitäranlagen versorgt und kostenlos, wie so vieles auf den Azoren.
Wir waren pünktlich in Vila Nova, wo die Hauseingänge schon mit Sperrholzplatten vernagelt waren. Wir fuhren bis zum Ortsende, parkten dort und liefen zurück, um uns einen guten Platz zu sichern. Viele Leute saßen, 1.5 Stunden vor Beginn, schon auf Terrassen, Mauern und auf sicheren Plätzen mit Blick auf die Straße. Eine alte Dame lud uns auf ihre Terrasse ein, aber wir entschieden uns für eine Mauer aus Lavasteinen auf einer etwa 5m hohen Böschung mit einem guten Blick auf beide Seiten der Hauptstraße. Hier waren eigentlich alle Plätze schon reserviert, aber man rückte zusammen und so fanden wir auch noch einen Platz.
Wir plauderten ein bisschen mit einer portugiesischen Dame, die schon seit vielen Jahren in Florida lebte und bekamen ein paar Tipps, wo man die Kisten sehen kann, in denen die Stiere transportiert werden. Das erinnerte so ein bisschen an Jurassic Park und die Kisten mit den Dinos. Die allgemeine Spannung stieg, es wurden noch Snacks verkauft … auf die Mauer geworfen und Geld treffsicher zurück.
Die lokalen Toreros mit ihren weißen Hemden und schwarzen Hüten machten sich fertig und positionierten sich an dem etwa 100 m langen dicken Seil. Pünktlich um 18.30 Uhr gab es einen Böllerschuss, die erste von 4 Kisten ging auf und der erste Stier schoss, mit dem Seil um den Hals, aus der Seitenstraße und auf die Hauptstraße. Ein Raunen ging durch die Menge, der Stier rannte in hohem Tempo in eine Richtung und immer wieder sprang ein junger Mann aus dem Dorf auf die Straße und wedelte mit einem Tuch oder Regenschirm. Der Stier nahm Anlauf und die Mutigen sprangen auf die nächste Mauer oder Straßenlaterne. Ältere Damen riefen und wedelten mit ihren roten Schals … das Ganze hatte Volksfeststimmung und alle Generationen waren auf den Beinen.
Als das Tier müde wurde, nachdem es eine Mauer zerlegt hatte, wurde es wieder in die Transportbox bugsiert und es wurden 2 Böllerschüsse abgegeben. Nach einer kurzen Pause war der nächste Stier dran. Diese Veranstaltungen waren unter Seglern und Tierschützern sehr umstritten, natürlich hatte der Stier nicht wirklich Spaß, aber er wurde nicht verletzt, Toreros hin und wieder schon und diese Tradition hat nichts mit Tourismus zu tun … es waren kaum Touristen dort. Diese Touradas finden von März bis Oktober fast täglich irgendwo auf der Insel statt und es gibt eine „Bullfight-App“ mit den Terminen.
Jutta hatte eine Schrecksekunde, als der erste Stier, angelockt von einem jungen Mann mit grünem T-shirt, die Böschung heraufstürmte, bedrohlich nah kam und alle spontan von der Mauer sprangen …
puuhhh! Die Veranstaltung endete nach dem vierten Stier um 21.00 Uhr.
Wir verbrachten noch ein paar Tage in dieser wunderschönen Stadt, gingen mit der Crew der BINKY Essen und wanderten auf den nahegelegenen Monte Brasil, um unsere Seebeine zu trainieren. Von oben hatten wir einen tollen Blick auf Angra do Heroismo.
Am nächsten Nachmittag starteten wir auf die 100 Seemeilen-Etappe über Nacht nach São Miguel, wo wir uns mit Johanna treffen würden.































































































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