Wir suchten uns einen Ankerplatz vor der Westküste von Vieques, die zu den Spanish Virgin Islands gehört. Hier gab es nur eine Handvoll anderer Boote und wir entschieden uns für einen Platz
zwischen einem kanadischen und einem Schweizer Segelboot mit reichlich Abstand. Der Schweizer gestikulierte wild und schüttelte mit dem Kopf … er wollte uns also nicht in seiner Nähe haben. Wir
suchten uns einen anderen Spot und beobachteten, wie er eine halbe Stunde später die Ankerbucht verließ und davon segelte … so ein A...! Man trifft ja nicht sehr oft solche unangenehmen
Zeitgenossen, aber manchmal gibt es sie doch.
Wir blieben 2 Nächte und nutzten das schöne klare Wasser zum Schwimmen und Jobbers Rumpf putzen … der sah wirklich schlimm aus! Durch längere Liegezeiten in den Bahamas, der DomRep und in Puerto
Rico hatte sich eine Menge Grünzeug am Rumpf und in den Seeventilen angesammelt und das bremste uns ganz schön, schätzungsweise waren wir 0,5 – 1 Knoten langsamer.
Am dritten Tag steuerten wir früh morgens um ein Riff vor Vieques herum und erreichten, nach 8 Stunden Bullenreiten, Charlotte Amalie auf St. Thomas (US Virgin Islands). Hier gab es eine große Bucht, in der wir im Mai 2025 schon einmal mit unseren Bielefelder Freunden waren. Unser Buddyboot, die Crazy B, war schon dort und begrüßte uns freundlich winkend. Wir klarierten online über CBP Roam (Customs and Border Patrol) ein und hatten wenig später die Bestätigung. Die Crazy B und ein neuseeländisches Boot hatten weniger Glück, sie mussten bei den Behörden persönlich antanzen. Abends war ein Dinner mit mehreren Booten geplant, aber wir waren zu müde nach dem frühen Aufstehen und dem wilden Ritt.
Die nächsten Abende verbrachten wir mal auf dem einen oder anderen Boot und lernten ein paar neue Leute kennen. St. Thomas ist ein Hafen, der von ständig wechselnden Kreuzfahrtschiffen, großen
Motoryachten, Wasserflugzeugen und vielen Segelyachten und Katamaranen angelaufen und angeflogen wird … ein ständiges Kommen und Gehen und ein sehr rolliges Ankerfeld.
Das ständige Geschaukel ging uns nach ein paar Tagen auf die Nerven, aber hier gab es eine gute Infrastruktur mit Müllentsorgung, Supermarkt und Waschsalon, also gingen wir erstmal Waschen und
Einkaufen. Der Waschsalon gehörte „Arabi“ und war eine ziemliche Bruchbude, aber mangels Alternative, war die Wäsche mal wieder mehr oder weniger sauber, immerhin mit Wasser durchgespült.
Charlotte Amalie wurde täglich von 1-3 Kreuzfahrtschiffen heimgesucht, wir versuchten ein Zeitfenster zu finden, in dem es vielleicht nicht ganz so voll war, was aber nicht wirklich möglich war.
Die Gäste wurden mit kleinen Bussen vom Kreuzfahrtterminal in die Stadt gekarrt, ausgeladen und verteilten sich in den Bars, Souvenirläden und unzähligen Juweliershops. Es gab ein Duty Free
Angebot von Schmuck und hochpreisigen Uhren von Chartier bis Rolex. Irgendwie dekadent, mit dem Kreuzfahrtschiff in die Karibik zu reisen, um hier fünfstellige Beträge für Klunker auszugeben …
nicht unsere Welt!
Wir fanden ein Frühstück mit zwei Cappuccino und zwei Croissants für 50 Dollar schon ziemlich teuer. Es gab ein paar hübsche, enge Gassen mit Piratenflair und einen Pernot im Supermarkt, den wir
schon sehr lange nicht mehr hatten und mit der Crew der Crazy B teilten.
Wir verließen St. Thomas sehr früh bei erstem Tageslicht, denn wir wollten nach Cruz Bay, St. John (US Virgin Island) zum Ausklarieren, diesmal persönlich, um ein Formular zu erhalten, das wir in
den Britisch Virgin Islands für die Einreise brauchen würden (Klick hier für ein Video). In der viel zu kleinen Bucht bei den Behörden von
Cruz Bay bekamen wir mit Jobber Platzangst, denn es war wuselig und furchtbar eng, zum Ankern keine Chance. Letztes Jahr hatten sie uns hier ziemlich viel Geld abgeknöpft für eine halbe Stunde am
Steg. Diesmal waren wir schlauer, suchten schnell das Weite und gingen außerhalb an eine Boje, um mit dem Dinghi einen zweiten Anlauf zu nehmen.
An der Behörde warteten schon einige Leute mit Motorbooten und wir stellten uns auf eine längere Wartezeit ein, aber es ging dann doch sehr flott. Wir bekamen unser „Zarpe“
(Ausklarierungspapier) und machten uns auf den Weg nach Tortola, British Virgin Island, in eine Bucht namens Soper`s Hole, wo wir uns die letzte, verfügbare Boje sicherten.
Hier sind die Behörden direkt in Sichtweite und wir fuhren mit dem Dinghi kurz rüber. Auf den BVI`s klariert man mit einem Online-Verfahren ein … man gibt alle Daten ein und erhält einen Code,
über den die Behörde die Daten abrufen kann, das Ganze heißt „Sail Clear“, wir kannten das von früher, aber hatten das gar nicht mehr auf dem Schirm … Mist! Glücklicherweise stand ein Rechner im
Flur, wo wir unsere Daten eingeben konnten, und man ließ uns dann doch ins Land.
Wir fuhren auf die andere Seite der Bucht und gönnten uns ein Mittagessen bei Pusser`s (berühmte Bar auf Tortola), sehr authentisch mit Hühnern unterm Tisch und einen Einkauf im Supermarkt. Nach
einer Siesta bekamen wir Besuch von einer deutschen Crew, die eine Boje in Sichtweite hatte … immer wieder spannend, sich auszutauschen und wir lernten, dass es eine WhatsApp-Gruppe gibt, die
Dorians (nach Dori aus Findet Nemo), in der sich fast 150 Boote sammeln, die zurück segeln wollen nach Europa, was ja auch unser Plan ist … super, da werden wir uns mal anmelden.
Wir blieben 3 Nächte in Soper`s Hole, hier sollte die Boje 50 Dollar pro Nacht kosten, aber es wurde nur für eine Nacht kassiert, das war dann wieder o.k. und das erlebten wir einige Male, dass
selten oder gar nicht kassiert wurde.
Genau so war es auch in Peter Island, Great Harbor, wo es ein Bojenfeld hinter ein paar ziemlich rostigen Frachtern gab. Mit uns ankerte hier ein schicker 80 Fuß (24 Meter) Katamaran, auf dem ein
junges Paar mit Skipper und Hostess für 59 000 Dollar pro Woche „residierte“ … es gab so unfassbar reiche Menschen hier!
Die nächste Etappe führte uns um die Westspitze Tortolas rum an die Nordküste, die wir noch nicht kannten. Eine Regatta sehr sportlicher Boote startete auf eine „Rund um Tortola“ Wettfahrt in
entgegengesetzter Richtung … wir sahen sie über die Startlinie segeln, sehr schnell am Horizont verschwinden und auf der anderen Seite der Insel kamen sie uns wieder entgegen.
Nachdem einem kurzen Stopp in der Smuggler´s Cove, die landschaftlich sehr schön, aber uns zu rollig erschien, segelten wir weiter zur Cane Garden Bay und legten uns an eine Boje. Dies war ein
Ausflugsziel für Kreuzfahrer mit Strand, Bars, Souvenierläden, Halli Galli und Urlaubern mit Sonnenbrand … also zum Abgewöhnen. Sie kamen mit kleinen Bussen von der Südküste der Insel über die
Berge aus Road Town, wo es ein Kreuzfahrtterminal gab und um 17.00 Uhr wurden alle wieder abgeholt und es wurde schlagartig leer, somit hatten wir doch noch eine ruhige Nacht, aber eine reichte
dann auch und wir segelten am nächsten Morgen weiter zu Guana Island, im Norden von Tortolas Ostende.
Wir kamen um 10.00 Uhr an dem Traumstrand an und das war gerade noch früh genug, um eine der wenigen Bojen zu bekommen, wenig später waren sie fast alle belegt. Wir frühstückten erstmal, denn wir
waren früh aufgestanden und als wir wieder an Deck kamen, hatte sich ein großer Trimaran neben uns an die letzte Boje gelegt. Wir signalisiertem dem Skipper und seiner Mitarbeiterin, dass wir
event. kollidieren könnten und brachten schnell ein paar Fender aus.
Die Familie mit drei Kindern, die das Rund-um-Sorglos-Paket gebucht hatte, hatten kein Problem und jetzt wurden erstmal sämtliche Spielzeuge von SUP`s, Schwimminseln, Schnorchel Equipment,
Seascootern und Wakeboards ausgepackt. Abends verholten sie sich an eine andere Boje, was uns recht war, denn so konnten wir eine ruhige Nacht verbringen.
Nach zwei Nächten und ein paar Schnorchelausflügen war unser nächstes Ziel die Insel Virgin Gorda, eines der Highlights der BVI`s. Hier waren wir vor knapp einem Jahr schonmal mit unseren
Bielefelder Freunden, wir kannten uns also ein bisschen aus. Wir ankerten an der Westküste, unweit des Touristenhotspots „The Bath“, der berühmt ist für seine weißen Sandstrände,
Granitformationen, Höhlen und Naturbecken. Hier erwischte uns ein Regenschauer … wenn es hier regnet, dann richtig!
Morgens ganz früh gingen wir Anker auf und verholten uns an eine der Mooringbojen vor The Bath, die nur tagsüber belegt werden dürfen und die schnell besetzt sind, wenn die Ausflugsboote kommen.
Das klappte gut und wir hatten einen tollen Platz in der ersten Reihe, wo wir bis mittags blieben, um dann weiterzusegeln nach Peter Island in die Bucht, in der wir vor der Tortola-Rundfahrt
schonmal waren.
Diese Bucht, Great Harbor, war perfekt für die Windrichtung, die die nächsten Tage angesagt war, es gab Bojen zum Festmachen und keiner kam, um die Gebühr (40 Dollar pro Nacht) zu kassieren, also optimal!
Nach ein paar Tagen gingen uns die Vorräte aus und eine Shoppingtour stand mal wieder auf dem Programm. In den BVI´s gab es nicht allzu viele Möglichkeiten zum Einkaufen, also mussten wir die wenigen nutzen. Wir segelten „rüber“ nach Roadtown, Tortola, nur ein paar Seemeilen entfernt und ankerten in einer kleinen Bucht neben dem Kreuzfahrterminal, wo die „Disney Treasure“ gerade festgemacht hatte.
Road Town ist, neben St. Thomas, einer der Anlaufhäfen für Kreuzfahrtschiffe auf den Virgin Islands. Für uns stand allerdings, statt Ausflug zum Strand, Müllentsorgung, ein Besuch beim Bootsladen
und ein Lebensmitteleinkauf auf der To-do-Liste. Der Supermarkt war ganz gut sortiert, aber sehr teuer … wir suchten uns also die Dinge raus, die noch halbwegs bezahlbar waren. Gegen Abend fuhren
wir in die Stadt, um uns ein bisschen umzusehen.
Das Dinghidock lag im Yachthafen und wir staunten über die vielen Wracks, die hier vor sich hindämmerten. Sie waren wohl Überbleibsel des letzten Hurricanes. Wir trafen einen Einheimischen, der
auf einer Steeldrum spielte … er übte für eine Veranstaltung an Ostern, wie er uns erklärte und wir tranken ein Bier mit einem Briten, der schon sehr lange auf der Insel lebte und uns
erzählte, wie es dazu kam … leider verstanden wir nur etwa 30%, denn er hatte irgendeinen wilden britischen Akzent. Im Hafen trafen wir noch einen holländischen Segler, der auch mit einer CONTEST
unterwegs war. Wir plauderten ein wenig und erfuhren, dass er sein Boot von einer professionellen Crew zurück nach Europa segeln lassen wird, um diese lange und unangenehme Etappe zu umgehen,
eine andere Möglichkeit ist, sein Boot auf einen Frachter verladen zu lassen … o.k. kann man natürlich machen für einen 5-stelligen Betrag, aber wir werden das lieber selbst machen, mal sehen, ob
wir das noch bereuen werden.
Nach einer sehr rolligen Nacht war die „Disney Treasure“ morgens schon weg und die „Norwegian Aqua“ inzwischen angekommen … ein weiteres Kreuzfahrtschiff kam wenig später noch dazu. Hier war es
uns zu voll und wir machten uns auf den Weg zurück nach Peter Island, wo wir uns mit der CRAZY B, unserem Buddyboot verabredet hatten. Sie kamen am selben Tag noch an und machten an einer Boje in
unserer Nähe fest … somit waren wir wieder komplett und verbrachten ein paar schöne Abende mit Pastis, Pina Colada, Focaccia, Geschichten und Mexican Train Domino.
Wir blieben 9 Nächte an unserer Boje in netter Gesellschaft, sahen große Katamarane kommen und gehen und machten ein paar Schnorchelausflüge. Irgendwann, nach ein paar Abschiedsabenden, reiste
die CAZY B ab und nahm unsere Jogurtmaschine mit, die wir nie benutzt hatten. Yoda, so hieß sie jetzt, hatte ein neues Zuhause gefunden und alle waren glücklich damit.
Am nächsten Tag starteten wir in Richtung St. Martin, die Insel, die unser Ausgangspunkt für die Überfahrt nach Europa sein würde. Leider gab es weniger Wind, als vorhergesagt und wir mussten,
mit einer Nachtschicht, wieder mal motoren. Auf dem Plotter sahen wir in der Nacht 2 andere Boote, die in unsere Richtung fuhren … zufällig kannten wir beide … die Welt ist klein. Leider kamen
uns auch einige Boote ohne AIS (automatisches Identifikationssystem) in der Nacht entgegen. Diese Boote sieht man nicht auf dem Plotter, sondern nur als kleines Licht in der Dunkelheit, was immer
ein Sicherheitsrisiko darstellt. Eigentlich ist für uns nicht begreiflich, warum große teure Katamarane an dieser Stelle, also an der Sicherheit, sparen.
Wir kamen morgens an und so schloss sich der Kreis da wir vor 2 Jahren schonmal hier waren. Es ist immer schön, an einen Ort zu kommen, der einem vertraut ist.
Hier unser Track von Puerto Rico über die BVI´s nach St. Martin:
















































































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Willi Braunisch (Dienstag, 05 Mai 2026 20:01)
Immer wieder spannend euch zu "folgen".
Gute Reise zurück über den Atlantik.
Ellen (Donnerstag, 07 Mai 2026 08:25)
Nun auf Ihr ja schon unterwegs über den Atlantik. Ich wünsche Euch eine gute angenehme Überfahrt und freue mich auf Euren nächsten Bericht ���. Immer wieder schön, mit Euch zu reisen und von Dingen zu hören, die man sich gar nicht vorstellen kann. 59000 Dollar für eine Woche Segelurlaub zum Beispiel �.
Mast- und Schotbruch