Bye-Bye Bahamas – Hola Dominikanische Republik

 

Nachdem Johanna uns in Georgetown (Great Exuma Island) verlassen hatte und auf dem Heimweg war, gingen wir erstmal einkaufen. Das Angebot im Supermarkt war mehr als überschaubar, die Obst-und Gemüsetheke war so gut wie leer bis auf ein paar müde Salatköpfe für etwa 13 Dollar pro Stück. Dafür gab es Eier in größeren Mengen und zu einem annehmbaren Preis. In der Karibik hatten wir uns angewöhnt, zu kaufen was das Angebot hergibt … das ist meistens nicht das, was auf dem Zettel steht … Flexibilität ist also gefragt. Vor der Käsetheke trafen wir die deutsche Crew der HUI-HUI und verabredeten uns für die nächsten Tage mal. Der Rückweg mit dem Dinghi war etwas spannend, denn unser, sonst zuverlässige, Tohatsu Außenborder zickte schon wieder und wir kamen auf der letzten Rille zum Boot zurück. Darum würden wir uns wohl zeitnah kümmern müssen, denn ohne Beiboot wären wir auf Jobber gefangen und nicht mehr mobil.

 

Wir gingen wieder zurück auf unseren alten Ankerplatz im Schutz von Stocking Island, wo es weniger Wellen gab. Wir ankerten in der Nähe von zwei deutschen Katamaranen, der HUI-HUI und der MOMO … eine Seltenheit inmitten des Ankerfeldes mit 70 % Kanadiern und 29 % Amerikanern.

 

Neben Aufräumen und Waschen stand also die Reparatur des Außenborders auf dem Programm. Da verunreinigter Sprit wohl nicht das Problem war, begab sich der Skipper auf Fehlersuche. Abends bekamen wir deutschen Besuch der beiden Katamarane auf ein Bier und Erfahrungsaustausch. Schön, wenn man sich in der Muttersprache verständigen kann … Englisch geht mittlerweile auch sehr gut, ist aber anstrengender.

 

Die nächsten Tage vergingen mit Besuchen in der Chat`n Chill Bar und bei den Mitseglern. Ein Katamaran ist schon eine völlig andere Liga, was das Platzangebot und den Lebensraum angeht, wie wir wieder einmal feststellen mussten. Bei der inneren Fragestellung, ob wir lieber einen Katamaran hätten, schüttelten wir beide, bei allen Vorteilen, aber innerlich den Kopf. Wir lieben unsere Jobber und fühlen uns sicher bei schwerem Wetter. Den Tornado an der Ostküste der USA hätten wir in einem Katamaran sicher nicht so gut überstanden.

 

Nächster Schritt auf der Fehlersuche beim Außenborder war der Klassiker, das Zerlegen und Reinigen des Vergasers. Wir nahmen den Motor an Bord, damit keine Kleinteile auf nimmer Wiedersehen ins Wasser fallen. Die MOMO lieh uns freundlicherweise ihrem Ultraschallreiniger. Leider stellte sich heraus, dass der Motor mit blitzblankem Vergaser immer noch nicht rund lief. Er sprang an und ging immer gleich wieder aus … vielleicht hing es mit der Spritzufuhr zusammen, also mit der Benzinpumpe. Nach mehrmaligem Zerlegen der Pumpe lief unser Tohatsu wieder … wieso auch immer, ein Fehler ließ sich nicht wirklich feststellen.

 

 

 

Die Kats verließen die Ankerbucht in Richtung Panama, wir wünschten gute Reise und machten noch ein paar Fotos. Wir nutzten die Gelegenheit, den reparierten Motor zu testen und fuhren quer durch die Bucht um Einkaufen. Müll und alter Diesel konnte am Dinghidock entsorgt werden an einem Kleinlaster, dem man den Müll auf die Ladefläche stellte und den entsprechenden Betrag in Dollar durch einen Schlitz im Seitenfenster warf. Diesmal gab es Obst und Gemüse, dafür keine Eier und der Tohatsu lief wie ein Schweizer Uhrwerk, super!

 

O.k. nach der Baustelle ist vor der Baustelle, die neuen Schalter für die Elektrowinchen, die Johanna aus Deutschland mitgebracht hatte, wollten eingebaut werden. Die Alten hatten sich zerlegt und funktionierten nicht mehr zuverlässig, was ein Sicherheitsrisiko darstellte, wenn es drauf ankam. Die neuen Schalter hatten natürlich einen anderen Durchmesser, die Löcher für den Einbau mussten vergrößert werden und das klappte besser als gedacht, was auf einem Schiff eher selten ist … eigentlich dauert alles immer länger, als man denkt.

 

 

 

Weil alles so gut lief, gönnten wir uns einen Conch-Salat am Strand. Die anderen Segler hatten uns dieses Erlebnis, das etwas Mut erforderte, wärmstens empfohlen. Ronaldo von der Conch Bar suchte eine der Muscheln aus, die er im seichten Wasser am Strand lagerte. Er stieß mit einem großen Messer an einer ganz bestimmten Stelle der Muschel ein Loch in die Schale. Dies zerstörte den Muskel des Tieres und es ließ sich aus der Schale lösen. Unglaublich geschickt, schnitt Ronaldo jetzt ein paar Teile der Conch ab, warf sie ins Wasser und trug den Rest zu einem Arbeitstisch. Hier wurde das rohe Conchfleisch in kleine Stücke geschnitten und mit Tomaten, Gurken und Zitrone gemischt (Klick hier für ein Video).

 

Wir hatten die Befürchtung, dass das rohe Tier in etwa so eklig sein würde wie die Austern von der Ostküste, waren aber positiv überrascht. Wir mischten uns unter das, hauptsächlich kanadische und US-amerikanische, Publikum und waren erstaunt, dass wir nicht wirklich Kontakt fanden, was in allen anderen Regionen mit Seglern bisher anders war. Die Kommunikation war sehr zäh, was umso verblüffender war, als es hier jeden Morgen eine Funkrunde gab, die Neuankömmlinge begrüßte, Losfahrer verabschiedete, Strandyoga, Happy-Hour-Treffen und alles Mögliche andere vermittelte.

 

 

 

Weil der Wind stärker wurde drehte und wir, für unser Gefühl, zu nah an die Felsküste getrieben wurden, mussten wir umankern. Bei der kurzen Motorfahrt an einen sichereren Platz merkten wir, dass mit dem Kühlwasser für den Volvo etwas nicht stimmte … Mist! Da viel Wind angesagt war, wäre es gut, wenn wir uns auf den Motor verlassen könnten … man weiß ja nie, was passiert und wir hatten so eine diffuse Vorahnung. Also mussten wir schnellstmöglich das Kühlwasserproblem beheben, bevor der Starkwind kommen sollte. Der erste Verdacht, ein kaputter Impeller sollte sich bestätigen … das Ding hatte nahezu alle seine Flügel verloren und konnte so natürlich seinen Job nicht mehr zuverlässig machen. Glücklicherweise hatten wir ein paar Ersatzimpeller an Bord.

 

Der Wind drehte auf bis zu 34 Knoten auf, wir hatten eine unruhige Nacht und morgens waren die Leute auf den Booten um uns herum alle ein bisschen nervös (Klick hier für ein Video). Thomas setzte sich ins Cockpit und beobachtete die Lage. Wenig später kam ein Trimaran, dessen Anker nicht hielt, unkontrolliert auf uns zugetrieben und riss noch ein weiteres Boot mit, mit dessen Anker er sich wohl irgendwie verhakt hatte. Jetzt war Alarmstufe angesagt und alle um uns herum warfen den Motor an, um am Anker hängend, ausweichen zu können und brachten Fender aus, um bei einer möglichen Kollision den Schaden zu begrenzen. Das mitgerissene Boot trieb haarscharf an einem Katamaran vorbei … wir blieben verschont. Puuuh, das braucht man nicht, selbst wenn man selbst einen zuverlässigen Anker hat, hilft das nur bedingt in einem engen Ankerfeld.

 

Wir gingen ein letztes Mal Einkaufen, denn jetzt würden wir für eine längere Zeit keine Einkaufsmöglichkeit mehr haben. Prompt gab es keine Eier im Supermarkt und wir mussten noch ans andere Ende von Georgetown laufen in einen kleinen Laden, wo wir dann welche bekamen. Wir bereiteten uns also auf die Abreise vor und planten, zu den „Ragged Islands“ zu segeln … eine Gruppe von sehr einsamen Inseln, südlich der Exumas.

 

Die erste Etappe führte uns an die Nordspitze von Long Island, wo wir, mit einem dänischen Boot ganz allein waren. Morgens bekamen wir Besuch von zwei dänischen Mädels, die mit einem Dinghi und zwei großen Kanistern längsseits kamen. Ihnen war das Trinkwasser ausgegangen und sie fragten, ob wir ein paar Liter entbehren könnten … klar konnten wir und kamen ein bisschen ins Plaudern. Stine, die junge Skipperin hatte ein altes Boot (in etwa so alt wie Jobber) und nahm Gäste mit, in diesem Fall ein junges Paar. Sie hatten vergeblich versucht, an Land eine Quelle für Süßwasser zu finden. Sie waren ziemlich basic unterwegs, ohne Wassermacher, ohne Starlink und den ganzen Schnick-Schnack, der das Leben an Bord so viel einfacher macht … toll, wenn junge Menschen sich auf den Weg machen und ihre Komfortzone verlassen, um die Welt zu sehen. Und hin und wieder wird uns bewusst, dass wir doch einiges an Komfort an Bord haben, genügend Süßwasser zum Trinken und Duschen ist schon Luxus.

 

 

 

Wir fuhren morgens los Richtung Rum Cay, eine kleine Insel in östlicher Richtung und ankerten dort, hier war absolut nix los.

 

Die nächste Etappe endete an der Südspitze von Long Island, wo wir vor dem kräftigen Ostwind geschützt sein sollten. Beim Studium des Wetterberichts für die nächsten Tage stellte sich heraus, dass ein heftiger Sturm im Anmarsch war mit 9 – 10 Windstärken. Puhhh, das hatten wir nicht auf dem Schirm gehabt. Jetzt war guter Rat teuer, denn das Problem war, dass die Windrichtung des Sturms sehr wechselhaft war und sich, im Zeitraum von 2 Tagen, um fast 360 Grad drehte. Wir würden also keinen Ankerplatz finden, der uns vor allen Windrichtungen Schutz bieten konnte und Georgetown war mittlerweile sehr voll.  

 

Wir diskutierten verschiedenen Optionen: 1. Den Sturm auf offener See abwettern, event. „Beiliegen“ (eine Art stabile Parkposition ohne Vortrieb), 2. Rund um Crooked Island segeln, je nach Windrichtung für 2-3 Tage, 3. Die Flucht nach vorn Richtung Dominikanische Republik, was aber bedeuten würde, wir müssten den Plan, die Ragged Islands zu besuchen, aufgeben. Wir entschieden uns, schweren Herzens, für die Nr.3.

 

Eigentlich wollten wir noch mehr Zeit auf den Bahamas verbringen, aber die Zeit nach dem Sturm sah für unser Vorhaben auch nicht so gut aus. Der Wettergott war also einfach nicht auf unsere Seite … nicht zu ändern. Wir kontaktierten noch ein paar andere Segler, die sich für Ankern entschieden, aber letztendlich musste jeder seine eigene Entscheidung treffen.

 

 

 

Wir kochten also vor, banden alles fest, verstauten alles so gut es ging, schauten noch das Handball Finale der deutschen Mannschaft und machten uns nachmittags mit etwas gemischten Gefühlen auf den Weg. Wir rechneten mit 4 Nächten und ruppigen Bedingungen, aber hatten, wie immer, Vertrauen in unser tapferes Schiff.

 

Wir passierten Crooked Island, Great Inagua, die Turks- und Caicosinseln und Haiti. Wir kamen gut voran, konnten dem Zentrum des Sturms ein bisschen davonsegeln, aber hatten 4-5 Meter hohe Wellen und bis zu 46 Knoten Wind … eine wirklich holprige Fahrt! Wir hatten nur ein stark verkleinertes Vorsegel gesetzt und unsere Jobber pflügte absolut stoisch durch die hohen Wellen (Klick hier für ein Video).

 

Kochen unterwegs ist immer wieder eine echte Herausforderung (Klick hier für ein Video).

 

Nachts begegneten uns einige Kreuzfahrtschiffe, u.A. das derzeit größte der Welt die „Icon of the Seas“ Sie setzte einen etwas kryptischen Funkspruch ab und Jutta, die gerade Wache hatte, fragte lieber noch mal nach: „Icon oft he seas … this is sailing vessel Jobber … did you call us?“ Der Funkofficer war sehr nett und erklärte, er habe ein anderes Boot angefunkt, das einen erkrankten Passagier abholen solle … alles gut und gute Reise.

 

 

 

Am vierten Tag kamen wir in der Samanábucht in der DomRep an, wo die unangenehme Welle endlich weg war. Hier kannten wir uns schon aus, da wir ja im April letzten Jahres schon einmal hier waren. Wir ankerten vor der Marina Puerto Bahia, fragten spontan nach einem freien Liegeplatz und hatten Glück. Großartig! Eine ruhige Nacht ohne Geschaukel, eine Dusche und ein Büro zum Einklarieren ohne Rennerei von Office zu Office … eine Waschmaschine, eine Mülltonne und eine Pizzeria! So toll, irgendwo anzukommen nach einer anstrengenden Etappe!

 

In der Marina gibt es alle Behörden, die man für die Einreise braucht, in einem Raum. Sollte ruck-zuck erledigt sein … weit gefehlt. Unsere Pässe wurden kopiert, Fingerabdrücke wurden genommen, wir warteten ewig, bis der Coastguard-officer Zeit für uns hatte, obwohl er an seinem Schreibtisch saß. Alle waren sehr freundlich, aber hatten Zeit ohne Ende. Wir saßen auf den Stühlen und kämpften mit dem „Landkrankheit“, die man nach einer langen, schaukeligen Etappe hat … alles dreht sich und man fühlt sich wie betrunken.

 

Nach der Einreiseprozedur schauten wir uns noch kurz den Minimarket im Hafen an und waren völlig begeistert, eine Flasche Campari im Regal zu finden … hatten wir schon ganz lange nicht mehr, weil diese Importwaren in USA komplett unbezahlbar waren. An der Kasse stellte sich heraus, dass wir die Flasche, obwohl ein Preis am Regal stand, nicht kaufen konnten. In der Kasse war sie nicht drin … also „lo siento“ kein Campari!

 

Den Abend verbrachten wir mit einer Schweizer Crew in der Pizzeria mit spannenden Gesprächen, teilweise etwas holprig in Französisch, aber das Gefühl, Teil einer Seglercommunity zu sein, das auf den Bahamas etwas abhandengekommen war, war sofort wieder da.

 

Wir freuten uns also auf ein paar schöne Tage und ruhige Nächte in der Marina.

 

 

 

Nachfolgend unser Track von Great Exuma Island nach Samanà, Dominikanische Republik.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Irene (Dienstag, 24 März 2026 07:15)

    Wooow, was für Erlebnisse (ich meine nicht die vielen Einkäufe �)!! Wieder seehr spannend, hat teilweise den Puls wie beim Schauen eines Krimis hoch gejagt.... Hätt' trotzdem nichts dagegen, wenn der Abstand der Blogs verkürzt würde�. Danke für die unterhaltsame Lektüre an einem völlig verregneten Tag im Südseeparadies.