Das Wetterfenster, um von Miami auf die Bahamas zu segeln, war alles andere als ideal. Wir hatten die Lage schon einige Zeit beobachtet und da Johanna nur gute zwei Wochen Zeit hatte und sie von Georgetown (Great Exuma Island) wieder nach Deutschland fliegen würde, mussten wir direkt am Tag nach ihrer Ankunft, am 24.12. starten, denn die Bedingungen wurden nach hinten raus immer schlechter.
Der ursprüngliche Plan, nach Bimini zu segeln ging nicht auf, da der Wind aus genau der Richtung kam, also schlugen wir einen großen und ein paar kleine Haken nach Norden, wobei uns der Golfstrom in diese Richtung schob. Chrischan war mit seinen Besuchern schon einen Tag früher nachmittags gestartet, hatte sich aber eine Ankerbucht gesucht, weil es seinen Gästen nicht so gut ging.
Wir zirkelten also aus Miami raus auf den Atlantik. Die See war sehr holprig und wir hatten eine Nachtfahrt vor uns, nicht das klassische Heiligabendprogramm. Weil Kochen bei der unruhigen See keine Option war, gab es eine Dose Ravioli. Thomas stürzte bei einer fiesen seitlichen Welle mit der Schale Ravioli gegen den Navitisch, zog sich eine heftige Prellung zu und die Tomatenauce verteilte sich großflächig unter Deck und bis unter die Decke des Deckshauses … Frohe Weihnachten!
Am nächsten Tag passierten wir Coco Cay, eine vorgelagerte, kleine Insel der Berry Islands, wo 3 Kreuzfahrtschiffe parkten. Diese Insel ist ein einziger Vergnügungspark und wir fragten uns, wieso man in einer so traumhaften Natur einen Vergnügungspark braucht. Diese Kreuzfahrtindustrie mit ihren vermeintlichen Attraktionen ist schon irgendwie krank.
Wir erreichten Great Harbor Cay … Chrischan und sein Katamaran RE waren schon dort, weil er mit seinem geringeren Tiefgang eine Abkürzung nehmen konnte. Bei einem Sektempfang bei Sonnenuntergang kam dann doch etwas Weihnachtsstimmung auf. Wir guckten zusammen in die Seekarten und schmiedeten ein paar vorläufige Pläne.
Zunächst einmal stand aber am nächsten Tag die Einklarierungsprozedur auf dem Programm, die man vorbereitend online ausfüllen musste. Nachdem die Hürde genommen war, fuhren beide Skipper mit dem Dinghi an Land, wo man ihnen erklärte, dass man nur in der nahegelegenen Marina einklarieren könne oder die Offiziellen müssten zusätzlich zu den obligatorischen 700 Dollar Gebühr, noch einmal 250 Dollar dafür berechnen, dass sie zu uns ans Boot kämen, denn sie müssten sich das Schiff ansehen. Das wollten wir dann doch vermeiden, also versteckten wir einen Teil der aus den USA eingeführten Spirituosen, überlegten noch kurz in Nassau einzuklarieren, entschieden uns aber dagegen, weil auch nicht einfacher und kostengünstiger.
Wir gingen also Anker auf und fuhren ums Eck durch einen schmalen Kanal in die Marina, die RE hinterher. Hier warteten wir 2 Stunden, füllten die Formulare nochmal analog aus, tranken mit der Crew der RE einen Kaffee und verließen dann wieder den Hafen, natürlich ohne, dass jemand unser Boot in Augenschein genommen hätte.
Die RE machte sich auf den Weg nach Nassau und wir blieben noch eine Nacht kochten eine Bolo und spielten Mexican Train Domino.
Um 4.00 Uhr morgens verließen wir die Ankerbucht bei Hochwasser; umrundeten die Berry Islands im Norden und motorten Richtung Nassau, wo wir nachmittags ankamen. Etwas abseits des Trubels der Großstadt ankerten wir bei Rose Island und gingen erstmal schnorcheln in kristallklarem Wasser. Der Abend verging mit einer Partie Domino, einem Sundowner und Musik im Cockpit.
Wir blieben noch einen Tag, planten das weitere Vorgehen und überlegten, wie wir mit der vorzeitigen Kündigung des Mietverhältnisses unseres Hauses in Ehningen umgehen würden … sollten wir wieder vermieten oder die Neuseelandpläne für den Winter 26/27 begraben? Tja … schwierig!
Am darauffolgenden Tag brachen wir auf zu einer der nördlichen Inseln der Exumas, Allen Cay, hier sollte es Iguanas geben. Das geschützte Ankerfeld vor der Insel war schon ziemlich voll und so
ankerten wir weiter außen und fuhren mit dem Dinghi zum Strand.
Wir hatten Kartoffelschalen und ein paar Stücke Zucchini dabei, um sie an die Leguane zu verfüttern, was nur so mäßig klappte … die Tiere waren wohl ein bisschen wählerisch und an Menschen
gewöhnt. (Klick hier für ein Video).
Zum Sundowner waren wir wieder an Bord. In Sichtweite ankerte eine wunderschöne 156-Fuß-Yacht, die einmal Johnny Depp gehört hatte, die AMPHITRITE. Er verkaufte sie später für 27 Millionen an
J.K. Rowling.
Die Nacht war sehr holprig und so machten wir uns morgens direkt auf den Weg Richtung Normans Cay … wir würden uns bis zum 8. 1., Johannas Abreisetag, an den Exumas nach Süden entlang hangeln und ein paar Inseln genauer ansehen. Die Auswahl war gar nicht so leicht, denn es gab so viele traumhafte Inseln und die Zeit war knapp.
Weil wir einen geschützten Ort für die nächsten Tage mit viel Wind brauchten, blieben wir zwei Nächte auf Normans Cay, unternahmen Erkundungstouren mit dem Dinghi, schnorchelten, sammelten Muscheln am Strand und feierten hier Silvester zusammen mit ein paar Superyachten um uns herum, die sich mit reichlich Personal um ihre finanzkräftige und verwöhnte Klientel kümmerte (Klick hier für ein Video). Hier mitten im Nirgendwo gab es sogar ein kleines Feuerwerk (Klick hier für ein Video).
Wir waren glücklich, zusammen mit Johanna ins neue Jahr starten zu können … wie schon die letzten zwei Jahre in Panama und Carriacou. Wo wir wohl nächstes Jahr sein würden?
Als der Wind nachließ, fuhren wir an einen anderen Spot von Normans Cay, ankerten dort und schauten uns ein knapp unter der Wasseroberfläche liegendes Flugzeugwrack an, ein kleiner Drogenflieger, der einmal für Pablo Escobar unterwegs gewesen war und im November 1980 die Landebahn verfehlt hatte. Vielleicht hatte sich der Pilot auch am weißen Pulver bedient.
Das Wrack ist noch erstaunlich gut erkennbar und von bunten Fischen bewohnt … Schwimmen im glasklaren Aquarium.
Nach dem Schnorchelstopp verließen wir Normans Cay und fuhren auf den Exuma SOUND raus, das ist die nördliche Atlantikseite und tiefer … die Exuma BANK, die andere Seite der Exumas ist flacher, bei manchen Windrichtungen geschützter gegen Wind und Wellen. Es gibt nur einige Verbindungen von „innen nach außen“ und umgekehrt, die sogenannten CUTS. Die Cuts sind kritisch bez. Strömung und Tiefe und es ist sehr entscheidend, zu welcher Zeit (Hoch- oder Niedrigwasser) man sie passiert, in welche Richtung die Strömung läuft und, wenn es Korallenköpfe gibt, sollte die Sonne möglichst hoch stehen man sollte eine Polfilterbrille haben, damit man die „Bommies“ besser sieht.
Diese kritischen Passagen absolvierten wir meistens mit Jutta am Bug stehend mit Handfunkgerät und sorgfältiger Planung vorneweg. Wir hatten von kanadischen Nachbarn im Hafen von Curacao großformatige Papierkarten geschenkt bekommen, die sich als sehr hilfreich erwiesen.
Als nächstes waren wir mit der RE in Shroud Cay verabredet, was aber durch Fehler in der Absprache nicht zustande kam. Es endete damit, dass wir auf der einen Seite der Insel waren und die RE auf der anderen. Shroud Cay gehört zu einem Naturschutzgebiet, einer sogenannten „No Take Zone“, was bedeutet, dass man keine lebendigen oder toten Dinge von den Inseln mitnehmen darf und hat mehrere Flussläufe, die sich durchs Landesinnere schlängeln.
Das Wasser war so unglaublich klar, dass man die Ankerkette bis zum Anker sehen konnte. An diesem Tag war es zu spät für eine Erkundungstour mit dem Dinghi, denn die Sonne ging schon um 17.30 Uhr unter.
Wir schliefen also aus, frühstückten, planten die weiteren Etappen und erkundeten den Strand und die „Washing Machine“, eine starke Strömung an der Mündung eines Flusses, die einen Wirbeleffekt hat, daher der Name. Hier kann man schwimmen gehen und sich im Kreis treiben lassen, ein witziger Effekt. Thomas testete unsere neue Drohne, THEO II, die Johanna mitgebracht hatte, denn die Vorgängerin war ja in der Nähe von Charleston in den trüben Fluten versunken. Theo II bewährte sich gut und machte tolle Aufnahmen von Shroud Cay aus der Vogelperspektive (Klick hier für ein Video).
Am nächsten Morgen waren wir die ersten an der Flussmündung und fuhren mit dem Dinghi das schlängelige Gewässer rauf. Abgesehen von ein paar Fischen und Schildkröten war aber nicht viel zu sehen im klaren Wasser. Somit waren wir vormittags wieder zurück an Bord und starteten auf die nächste Etappe nach Staniel Cay.
Wir tasteten uns vorsichtig über ein paar Flachstellen und mit der besagten Polfilterbrille sah es noch flacher aus, man konnte jeden Grashalm und jeden Fisch in 3-8m Tiefe erkennen … wirklich beängstigend! Der Kommentar aus dem Cockpit „ist gar nicht so flach“ verstummte abrupt beim Tausch der Brille „OHHHH mein Gott!“(Klick hier für ein Video)
Nach ein paar Stunden gelangten wir durch den Conch Cut wieder auf die Innenseite, die Exuma Bank und somit auf die Innenseite von Staniel Cay, die sehr flach ist, daher hielten wir ein bisschen mehr Abstand von der Insel als einige Katamarane, die weniger Tiefgang hatten als wir.
Kurzerhand entschieden wir, noch mit dem Dinghi zum PIG BEACH zu fahren … ein bisschen knapp bis zum Sonnenuntergang, aber eine gute Idee, denn alle Touristen waren weg und wir hatten den Strand und die Schweine für uns allein.
Das war ein wirklich witziges Erlebnis. Als wir mit dem Dinghi an den Strand kamen, kamen schon ein paar Schweine freundlich grunzend angelaufen und guckten neugierig, ob wir was Leckeres dabeihätten. Einige waren ganz schön groß und zutraulich und nach ersten Bedenken auf unserer Seite, erkannten wir aber, dass sie harmlos waren und eher auf Streicheleinheiten aus. Diese Gruppe von vielleicht 20 Schweinen in verschiedenen Größen lebte hier am Strand, hatten ein paar Unterstände, ging regelmäßig schwimmen und wurde von Touristen besucht und gefüttert … irgendwie schräg, aber diese Bahamas-Schweine sind ziemlich berühmt. Johanna ist ja immer hin und weg, wenn sie auf Tiere trifft. Weil es leider auch Sandflöhe gab, machten wir noch ein paar Fotos von diesen Strandschönheiten und blieben nicht allzu lange.
Eigentlich wollten wir am nächsten Tag nochmal zum PIG BEACH und eigentlich auch zur Thunderball Grotte, die ganz in der Nähe war. Thomas und Johanna, als echte James Bond Fans wollten natürlich die Grotte sehen, in der der gleichnamige Film von 1965 gedreht wurde. Bei einem Blick auf die Wetterkarte mussten wir diese Unternehmungen aber leider streichen, denn es stellte sich heraus, dass wir nur noch zwei weitere Tage günstige Windrichtungen haben würden, um nach Georgetown zu kommen, von wo aus Johannas Rückflug ging … danach würde sich das Wetterfenster schließen und wir würden starken Gegenwind haben. So ist das manchmal, davon kann jeder Segler ein Lied singen, wenn man zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein will oder muss und das Wetter nicht mitspielt. So war es schon oft mit Gästen an Bord, aber das war es uns immer wert.
Wir verließen also, ein bisschen traurig, Staniel Cay und tasteten uns vorsichtig durch den Dotham Cut wieder raus auf den Sound, um, entlang der Exumas, weiter nach Süden zu kommen. Wir segelten vorbei an Moosha Cay, einer sehr exklusiven Insel im Besitz von David Copperfield, wo man ab 57 000 Dollar pro Tag Urlaub machen kann, zu einer weiteren Sehenswürdigkeit ganz in der Nähe „The Musician Mermaid.“ David hatte diese Skulptur in Auftrag gegeben und als Event für seine anspruchsvollen Gäste auf etwa 4 m Tiefe versenkt.
Das Zeitfenster passte gut für uns, wir steuerten knapp vor Niedrigwasser durch den Rudder Cut auf die Bank-seite der Insel Rudder Cut Cay. Hier suchten wir einen Ankerplatz und machten uns auf den Weg zum Schnorchelspot bei kippender Strömung, denn bei starker Strömung würde man schnell abgetrieben werden. Alles passte super und wir konnten zusammen mit der Meerjungfrau Fotos machen. Wir erkundeten noch ein paar Grotten in der Nähe und fanden eine tolle Conch für Johannas Muschelsammlung.
Die nächste Etappe führte am nächsten Vormittag bei Hochwasser wieder auf den Exuma Sound durch ein paar wilde Eddies (Wirbelströmungen). Bei Halbwind kamen wir super vorwärts und überholten einige Katamarane (wie war das mit der Regatta?).
Nachmittags erreichten wir Georgetown auf Great Exuma Island. Hier gab es eine Fahrrinne für größere Frachter, die etwas tiefer war, alles andere ziiiiemlich flach, wir krochen mit zeitweise nur 20 cm unterm Kiel in die Ankerbucht … hier hatten uns die Katamarane wieder, die wir vorher überholt hatten. Georgetown ist einer der wenigen Plätze innerhalb der Exumas, an denen es einen internationalen Flughafen gibt, einen Supermarkt, ein paar Liquorstores und eine Tankstelle, also gibt es hier viele Segler, die Gäste abholen oder wegbringen und proviantieren oder tanken. Und es gibt eine, unter Seglern bekannte, Bar, die Chat`n Chill Bar, für die es aber an dem Tag zu spät war. Sie schließt um 17.00 Uhr.
Ein Frachter kam bei Einbruch der Dunkelheit vorbei und erschreckte uns ein bisschen, aber noch schlimmer wurde es, als wir im Dunkeln im Cockpit einen riesigen, schwarzen Falter entdeckten. Das Licht hatte ihn wohl angelockt. Johanna schrie in wilder Panik und wir machten schnell alle Schotten dicht, verkrochen uns unter Deck und hängten Insektengitter über die Luken. Boahh, das Tier war riesig und stellte sich nach Google Recherche als „schwarze Hexenmotte“ heraus (Klick hier für ein Video).
Zwei Tage vor Abreise war das Wetter trübe, wir nutzten die Zeit für ein wenig Papierkram, Vollmachten für Johanna bez. der Hausübergabe und einen Besuch in der Chat n`Chill Bar auf einen Bahama Mama Cocktail. Hier gab es eine große Seglercommunity auf einem Volleyballfeld, die aber nicht sehr kommunikativ war … sehr viele Kanadier, ein paar Amerikaner. Jutta und Johanna machten einen Abstecher in den Souvenierladen. Vor Sonnenuntergang machten wir uns auf den Rückweg und irgendwie war der Außenborder, unser 2-Takt-Tohatsu, nicht gut drauf, er ging immer wieder aus oder lief bei Vollgas auf halber Leistung … blöd, denn ohne das Dinghi waren wir auf dem Boot gefangen.
Am vorletzten Tag von Johannas Besuch ankerten wir um, um näher an Georgetown zu sein … hoffentlich würde der Tohatsu nicht komplett ausfallen … Johanna musste ja ihren Flieger erwischen.
Thomas und Johanna fuhren mit dem Dinghi in die Stadt, um sich den Supermarkt anzusehen und event. schon einen Taxifahrer zu finden, der Johanna am nächsten Tag zum Flughafen bringen würde. Beides klappte, aber der Tohatsu zickte schon wieder … gar nicht gut! Wir hatten den Verdacht, dass der Sprit vielleicht verunreinigt sein könnte oder Wasser hineingeraten sein könnte, also tauschen wir den Kraftstoff im Dinghitank. Johanna packte derweil und unser letzter Abend brach an.
Am nächsten Morgen war es wieder soweit … ein Abschied für wahrscheinlich ein halbes Jahr … immer wieder sehr traurig! Die letzten zwei Wochen waren so schön und viel zu schnell vorbei! Johanna wollte event. die Etappe von den Azoren nach Frankreich oder wohin auch immer der Wind uns blasen würde, im Juni oder Juli mit uns zusammen segeln. Das wäre sehr schön und weniger anstrengend für uns ... mal sehen, ob wir das hinkriegen, aber zunächst einmal musste sie zum Taxi und zum Flughafen. Thomas brachte sie nach Georgetown und wir vermissten sie schon jetzt.
Der Rest des Tages verging mit einer Einkaufstour und dem Umparken in unsere ursprüngliche Ankerbucht, die nicht so wellig war.
Hier unsere Route von Miami nach Great Exuma Island:






































































































































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Rita Klimek (Mittwoch, 21 Januar 2026 07:28)
Boah Wahnsinn- was überwältigenderes ist mir nicht eingefallen �� toller ausführlicher Bericht- wunderschön zu lesen - sehr beeindruckend- interessant mit was für Geldbeträgen manche Menschen auf dieser Welt leben �� bin immer froh wenn eure Abenteuer am Ende gut ausgehen- DANKE für‘s mitnehmen. Liebe Grüßle ����