Wir warfen den Anker hinter der Schleuse in Cape Canaveral und fielen erstmal müde in die Koje, stellten uns aber einen Wecker, denn es war für diesen Tag noch ein Raketenstart angesagt. Von unserer Position im Ankerfeld hatten wir einen tollen Blick auf die Abschussrampen. In der Nähe am Ufer sammelten sich viele Autos und Leute, die, wie wir, den Start sehen wollten. Die Spannung stieg und pünktlich zum angekündigten Zeitpunkt stieg die Rakete mit einem Feuerschweif in die Luft (Klick hier für ein Video). Ein Teil der Rakete wurde nach ein paar Minuten abgetrennt und landete wieder an einer der Rampen … wenig später erreichte uns der Knall … unglaublich! … und wir quasi in der ersten Reihe!
Den zweiten Start am nächsten Tag schauten wir uns zu dritt auf dem Oberdeck der RE an, auch eine großartige Aussichtsplattform. Wir verbrachten Zeit zusammen mit Chrischan mit weiteren Planungen, Wetterberichten, einem TO-Seminar, Mexican-Train-Domino und dem ein oder anderen Bier oder Cocktail.
Für den Freitag stand ein Besuch im Kennedy-Space-Center auf dem Programm. Wir trafen uns um 8.00 Uhr, Chrischan holte uns mit dem Dinghi ab und wir fuhren mit einem Uber zum Center. Für Chrischan war es der zweite Besuch, er wollte sich ein paar Dinge noch etwas genauer ansehen. Wenn man sich für Raumfahrt interessiert, ist das Space Center ein absolutes Highlight. Man kann sich die Raketen, das Spaceshuttle und das Mondfahrzeug aus der Nähe ansehen, kann echten Astronauten Fragen stellen und kann sich Filme im IMAX- Kino ansehen … das Ganze mit viel US-Heldenpathos. Wir nutzten das Tagesticket (75 Dollar) voll aus und blieben bis zum Ende um 17.00 Uhr. Dann waren wir ganz schön platt von den ganzen Eindrücken.
Die nächsten Tage vergingen mit Näharbeiten (leider mussten wir feststellen, dass unsere treue Nähmaschine in dem salzfeuchten Klima sehr gelitten hatte … das Alugehäuse löste sich auf), Teakfugenpflege, Spieleabende auf der RE und Adventskaffee. So schön, wenn man sich austauschen und gegenseitig unterstützen kann.
Die Nacht vor der geplanten Weiterfahrt, wir wollten zusammen mit der RE starten, war sehr unruhig im Ankerfeld, sehr viel Windgeheule, Geglucker und undefinierbare Geräusche. Jobber zerrte am Anker und schwang wild hin und her. Am darauffolgenden Morgen beschlossen wir einhellig, unserem Bauchgefühl zu folgen und den Start um einen Tag zu verschieben. Das stellte sich als gute Idee heraus … SpaceEx verschob den Start einer Rakete an dem Tag ebenfalls … wir waren also in bester Gesellschaft.
Am nächsten Tag hatte sich das Wetter beruhigt und wir konnten los. Chrischan fuhr vor, da er als Alleinsegler eventuell Hilfe brauchen würde, wenn irgendwas mit dem Anker schieflief, aber alles
ging nach Plan (Klick hier für ein
Video). Wir passierten die Schleuse und Brücke ohne Probleme, sahen ein paar Manatees (Seekühe), die scheinbar im relativ warmen Wasser der Schleuse lebten und dann
gleich zwei erste Stufen der SpaceX Raketen, die ein paar Tage vorher auf einer Plattform offshore gelandet waren und nun wieder zurück an Land transportiert worden waren, um dann zur
Wiederverwendung vorbereitet zu werden.
Nach anfänglicher Flaute kam ein kräftiger Wind und hohe Wellen auf und es wurde eine holprige und, bei Neumond, stockdunkle (pitchblack) Nacht. Wir hatten beide Segel stark gerefft
(verkleinert), um mit „angezogener Handbremse“ erst bei Tageslicht in West Palm Beach anzukommen. Wir passierten eine Brücke und legten an einem kostenlosen Towndock an mit Blick auf Hochhäuser,
Palmen und Megayachten … so, wie man sich Florida eben vorstellt. Wie schon vermutet ging`s erstmal ins Bett und dann, nach einem Kaffee, auf die erste Einkaufstour … zu Fuß zum Supermarkt und
mit dem Uber zurück. Wir mussten für lange Zeit proviantieren, denn wir würden 2 Wochen zu dritt sein mit Johanna und auf den Bahamas würde es nicht viel, und wenn, dann zu utopischen Preisen zu
kaufen geben.
Abends mussten wir den Steg verlassen und zogen ins Ankerfeld um für die Nacht. Morgens legten wir an einem Towndock wieder an und hatten einen weiteren Tag Zeit zum Einkaufen und für ein paar Bootsarbeiten. Auf der anderen Seite des Steges lag ein Zweimaster, die DRIFTER, mit zwei jungen Kerlen aus Polen, die an ihrem Boot bastelten. Sie hatten das Boot von 1972 in Florida gekauft und arbeiteten schon 2,5 Monate am Refit. Sie konnten ein paar Tipps, Werkzeug und eine Dose Bier ganz gut gebrauchen.
Thomas fuhr mit dem E-Scooter zum Liquorstore und mittags ging es, nach einem sehr leckeren Lunch beim Thai, auf die zweite große Shoppingtour. Der Dockmaster war sehr freundlich und ließ uns, auf unsere freundliche Nachfrage, die Nacht am Dock bleiben … super! Das gab uns die Möglichkeit, abends nochmal in die Stadt zu gehen. Wir landeten zufällig in einem kleinen Park mit einem kostenlosen Konzert und einem feierfreudigen Publikum, das weihnachtsmäßig verkleidet war … eine coole Atmosphäre mit viel Bling-Bling und bunten Farben (Klick hier für ein Video).
Am nächsten Morgen waren wir mit der DRIFTER verabredet, denn wir wollten zusammen ablegen und die erste Brückenöffnung um 7.30 Uhr erwischen. Wir hatten so unsere Zweifel, ob die Beiden aus dem Bett kämen, denn sie hatten am Abend zuvor einen Großeinkauf gemacht und waren um 3.00 Uhr morgens noch dabei, die ganzen Lebensmittel aufs Boot zu schleppen, aber alles klappte super und wir waren pünktlich im ICW.
Vor uns lag ein „Brückentag“ mit 20 Seemeilen, was eigentlich nicht so viel ist, aber auch mit 20 Brücken, die zu unterschiedlichen Zeiten öffneten, so dass wir einiges an Wartezeit einkalkulieren mussten. Wir mussten uns entweder beeilen, die nächste Brückenöffnung noch zu bekommen oder trödeln, um nicht zu früh an der nächsten Brücke zu sein … und jedes Mal ein Funkspruch: „Hello …bridge … this ist sailingvessel JOBBER … we would like to pass your bridge at … thank you and Merry Christmas!“(Klick hier für ein Video)
Nach kurzer Zeit passierten wir MAR A LAGO, was man ja aus der Presse kennt. Von weitem konnten wir sehen, dass es gesichert war wie Fort Knox mit jeder Menge blinkender Polizeiwagen auf sämtlichen Zufahrtswegen.
Wir fuhren eine Weile zusammen mit DRIFTER in unserer kleinen Flotille, ließen sie aber irgendwann zurück, weil wir vor Einbruch der Dunkelheit in Fort Lauderdale sein wollten und DRIFTERS kleinerer Motor nicht mithalten konnte. Wir sollten sie in Miami wieder treffen.
Dieser Brückentag im ICW war superanstrengend, es war unglaublich viel Verkehr, wir legten unterwegs noch einen Tankstopp ein und kamen vorbei an unzähligen, riesigen Anwesen … geschmacklose Märchenschlösser im Toskanastil, die meisten nicht bewohnt, aber mit umtriebigen Gärtnern, Handwerkern und Poolboys im Garten und gigantischen Motoryachten vor der Tür. Wir schossen 1001 Foto von aufblasbarem Weihnachtskitsch und mehrstöckigen Weihnachtsbäumen in Eingangshallen … wie dekadent kann man sein?
Müde und fertig von den ganzen Eindrücken kamen wir in der anvisierten Ankerbucht bei Fort Lauderdale an, tranken noch ein Glas Wein und sahen den bunt beleuchteten Riesenyachten zu, die mit lauter Partymusik an uns vorbei schipperten … das war irgendwie nicht unsere Welt!
Morgens hatten wir noch weitere 3 Brücken zu passieren, bevor wir raus auf den Atlantik kamen. Den ICW mussten wir verlassen, weil es eine einzige feste Brücke kurz vor Miami gab, die nicht hoch genug war für unsere Masthöhe. Das hatten wir dank eines Tipps eines anderen Seglers herausgefunden. Alle festen Brücken im ICW sind mindestens 65 Fuß hoch oder beweglich, was für uns passt (JOBBER hat ca. 62 Fuß), bis auf eine Einzige mit 56 Fuß lichter Höhe, wieso auch immer.
An der 3. Brücke hörten wir Chrischan im Funkgerät: „ this is Katamaran RE …“ ah, ja wir hatten uns wieder!
Im Hafen von Fort Lauderdale lagen 6 Kreuzfahrtschiffe, so viele auf einmal hatten wir auch noch nicht gesehen … höher, größer weiter!
Wir motorten an der dicht besiedelten Küste, parallel zu RE, entlang und näherten uns kontinuierlich Miami mit seiner Skyline und noch mehr Powerbooten, die um uns herumkrachten. An riesigen Kränen vorbei ging`s unter einer 76-Fuß Brücke hindurch zu unserem Ankerplatz, wo die RE schon auf uns wartete … geschafft!
Chrischan bekam am folgenden Tag Besuch und Johanna sollte einen weiteren Tag später eintreffen. Wir erkundeten also die nähere Umgebung, um herauszufinden, wo man die Besucher am besten aufgabeln könnte, machten noch einen Ölwechsel und einen Riggcheck.
Nachmittags kam die DRIFTER an und besuchte uns an Bord. Wir tauschten Erfahrungen und ein paar Revierführer aus, die wir nicht mehr brauchten. Kuba und die St. Blas Inseln waren für uns erledigt, standen aber für Dustin noch auf der To-do-Liste. Abends gab es Kartoffelwaffeln auf der RE und die Bekanntschaft mit Chrischans Besuchern, Christin und Sohn Carlos, die 2 Wochen bleiben würden.
Auf der JOBBER lief der Countdown für die letzten Aufräumarbeiten, die Vorschiffskabine, unsere Rumpelkammer, wenn wir allein sind, musste leer werden. Zwischendurch kam noch die Crew der RE auf einen Besuch, bevor sie den Anker lichtete und Richtung Bahamas aufbrach.
Johanna kam planmäßig abends am Miami-Flughafen an, und war, per Uber und Dinghi, 50 Minuten später bei uns an Bord. Wir freuten uns riesig, dass sie endlich da war und auf die vor uns liegenden guten 2 Wochen auf den Bahamas.
Hier unser Track von Cape Canaveral nach Miami:


























































































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Irene (Donnerstag, 15 Januar 2026 08:10)
Eeendlich etwas wärmer - ich habe beim letzten Bericht so mitgelitten...
Schöne Bilder, spannende Erlebnisse. Danke fürs Teilen!
Ellen (Freitag, 16 Januar 2026 17:01)
Wo ist denn Alicia von der RE? Hab ich da etwas überlesen? ;)