Nachdem wir uns von der Nachtfahrt erholt hatten, die Zutaten für ein Brot im Backautomaten hatten, konnte es nach einer ruhigen Nacht wieder los gehen. Unser Ziel für diesen Tag war Port Clyde, ein kleines Fischerdorf mit Bojenfeld und Ankerbucht, gleich hinter Blubber Island.
Die Fahrt, weitgehend unter Motor, gestaltete sich sehr anstrengend, da es hier unglaublich viele, verschieden farbige Pods (Bojen mit Lobsterkörben) gab, um die wir herum manövrieren mussten. Die Praxis: jeder guckt auf seiner Seite und macht eine Ansage, hatte sich bewährt … „rot-blau auf 1.00 Uhr“ … „grün-rot auf halb 12“ … manchmal mussten wir spontan den Motor ausschalten, um keine Leine in den Propeller zu bekommen, wenn es zu viele Pods wurden und wir nicht mehr ausweichen konnten. Später erfuhren wir, dass jeder Fischer bis zu 800 Pods in seinen individuellen Farben und in einem bestimmten Gebiet ausbringen darf … Wahnsinn!
Wir fanden einen Ankerplatz in der kleinen Bucht bei Port Clyde und machten Pläne für den nächsten Tag (Klick hier für ein Video). Wir mussten endlich mal die so berühmten Lobsterrolls probieren und hier war ein guter Platz dafür, da es hier so gut wie keine Touristen gab, dafür einen Food Truck mit einer großen Auswahl von Seafood. Bei Google stellten wir fest, dass es in Laufentfernung vom Hafen den Leuchtturm zu besichtigen gab, an dem Forest Gump seinen Lauf durch die USA beendete. Der Plan für den morgigen Tag stand also fest: Food Truck und Leuchtturm.
Als wir am nächsten Vormittag mit dem Dinghi zum Hafen fuhren, zog innerhalb von 1-2 Minuten ein dichter Nebel auf … aus dem Nichts! Die Vorstellung bei so einem dichten Nebel auf dem Wasser zu sein, bei den vielen Lobsterpods und Untiefen … gruselig! Beim Food Truck lernten wir ein paar Leute kennen, die hier ihre Sommerhäuser hatten und kamen ins Plaudern. Unter anderen lernten wir Ed kennen, der ein bisschen deutsch sprach und Spaß daran hatte. Wir aßen zusammen und quatschten uns eine Weile fest … über die derzeitige politische Situation, seinen Job als Herzspezialist, über Deutschland, Segeln ……. „wenn Ihr irgendwas braucht, meldet Euch einfach!“ Nach dieser unglaublich netten Begegnung machten wir uns auf den Weg zum Marshall Point Lighthouse und dem kleinen Museum, wo wir, bei immer noch leichtem Nebel, ein paar mystische Fotos machten.
Abends gab es ein kostenloses Konzert einer lokalen Band, Adam Ezra, wie wir auf einem Plakat gelesen hatten. Das wollten wir uns natürlich ansehen. Um 18.00 Uhr gings los und der Parkplatz des Hafens stand schon voller Klappstühle. Wir wurden sehr nett begrüßt mit „ Ahhh, the German Sailors! Welcome!“ und bekamen direkt einen Teller Salat in die Hand gedrückt. Wir plauderten noch ein bisschen mit Carolyn (Französin) aus New Jersey, die Thomas Andeutung über nicht so freundliche Amis im Süden sofort verstand und mit „Assholes!“ kommentierte.
Die Atmosphäre beim Konzert war großartig, irgendwie familiär, es wurde viel getanzt und am Ende gemeinsam „Let it be“ von John Lennon gesungen, ein tolles Erlebnis! Zurück an Bord schauten wir uns noch den Film Forest Gump an, um zu gucken, ob es auch wirklich „unser“ Leuchtturm war.
Am nächsten Vormittag kam Ed mit seinem schönen Motorboot vorbei und wir tauschten Telefonnummern aus, um in Kontakt bleiben zu können. Da es an diesem Tag nicht so gut passte, verabredeten wir uns mit Ed und seiner Frau auf einen Kaffee auf unserem Rückweg nach Süden. Er wohnt nämlich in dem einzigen Haus auf einer kleinen Insel in der Bucht von Port Clyde … sehr spannend! Wir fuhren dann am späten Vormittag noch los, Ed begleitete uns noch ein Stück mit seinem Boot und wir schauten uns den berühmten Leuchtturm aus einer anderen Perspektive an.
Wie echte Groupies reisten wir der Band Adam Ezra hinterher, denn sie spielte am nächsten Abend in Tenant Harbor, was in einer guten Entfernung auf unserer Route lag. Der Platz im Ankerfeld erwies sich als zu eng für unsere Bootsgröße und nachdem wir einem anderen Boot gefährlich nahekamen, entschieden wir uns doch „umzuparken“ im etwas abseits gelegene Ankerfeld.
Abends ging es mit dem Dinghi nach St. Georg, wo ein neues Praxisgebäude für eine Schule eingeweiht wurde. Es gab viele Reden, etwas zu essen und ein kostenloses Konzert. Am Ende gab es einige Stücke unplugged und man sang zusammen „Country Roads“, während ein Schwarm Graugänse über uns hinweg flog … schon ein wenig kitschig, aber irgendwie passend.
Wie wir schon ein paarmal festgestellt hatten, funktionierte hier vieles auf privater Basis. Ein paar Leute sammeln Spenden, viele bringen sich auf ihre Weise ein und mit vereinten Kräften schafft man etwas … in diesem Fall ein Gebäude mit Geräten und Maschinen, in dem Kinder handwerkliche Fähigkeiten entwickeln können. Beim letzten Konzert ging es um einen abgebrannten General Store, der ersetzt werden musste. Das ist die große Stärke dieser ländlichen Gegenden, Maine ist kein reicher Bundesstaat, aber man hält zusammen und hilft sich selbst. Was wir noch nicht herausgefunden haben, ist, wie das Verhältnis der Menschen, die das ganze Jahr in einem Ort leben und arbeiten, wie die Fischer z.B., zu den Bewohnern ist, die nur im Sommer in ihren Cottages leben und sicher einen anderen finanziellen Hintergrund haben. Das können wir vielleicht Ed fragen, den wir ja noch besuchen werden. Für folgende Video braucht Ihr ein bisschen Geduld, aber es ließ sich nicht kürzen, da es schon etwas besonderes war (Klick hier).
Nächste Station war Camden, was uns schon mehrfach empfohlen wurde. Wir buchten eine Boje über eine Plattform namens DOCKWA … sehr praktisch … man schickt eine Anfrage, hat vorher Bootsdaten und Kreditkarte hinterlegt, bekommt zeitnah eine Antwort über Preis und Verfügbarkeit, das Geld wird abgebucht, fertig!
Diesmal bekamen wir eine Luxusboje zugewiesen für 55 Dollar. Die Boje hatte einen Schwimmer und einen Stab an der Schlaufe des Seiles, den man vom Boot aus greifen konnte … kein Gefuchtel mit dem Bootshaken … großartig!
Ein Wassertaxi (im Preis inbegriffen) brachte uns an Land in ein nettes Städtchen mit kleinen Geschäften und einer Brauerei, in der wir erstmal hängenblieben. Nach einer Runde durch die Stadt gabs noch ein Eis auf einer Fußgängerbrücke. An dem Tag gab es eine Kugel für Einwohner von Florida for free … Thomas zückte den deutschen Pass, aber das Argument, Germany sei ja noch weiter weg, funktionierte nicht … 2 Kugeln Eis = 22 Dollar.
Da wir zum Festival nach Belfast wollten, machten wir uns schon am folgenden Tag auf den Weg und buchten eine Boje für 2 Nächte. Belfast war so ganz anders als Camden, sehr viel weniger
touristisch, weniger rausgeputzt, aber sehr sympathisch. Wir schlenderten ein bisschen durch die Stadt und landeten in einer Brauerei mit Livemusik, eine sehr junge Band mit ziemlich guten
Musikern. Wir probierten ein paar Sorten Bier auf gut Glück, aber keine überzeugte uns so wirklich … es ging von Beerengeschmack, über irgendetwas sehr saures bis hin zu Weißbier, das wir nicht
als solches erkannt hätten, aber es gab jede Menge Lokalkolorit und das war auch o.k.
Um unsere Seebeine mal ein bisschen zu trainieren, hatten wir uns am nächsten Tag eine kleine Wanderung über den Rail-Trail vorgenommen … eine alte Bahnstrecke entlang des Passagassawakeag River,
die als Wanderweg ausgebaut wurde. Die amerikanische Variante eines Trails sieht so aus, dass sie von Fußgängern, Radfahrern und Rollstuhlfahrern genutzt werden kann, also keine wirkliche
Herausforderung für unsere Seebeine.
Zurück im Dinghi machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Young Lobster Pound, um ein paar Jakobsmuscheln zu kaufen. Hier krabbelten in mehreren Becken ein paar Hundert Lobster in
unterschiedlichen Größen herum und warteten auf einen Käufer … irgendwie hatten wir keine Lust auf das Gemetzel und mit um die 30 Dollar waren sie auch nicht unbedingt ein Schnäppchen.
Am nächsten Morgen gings noch kurz Einkaufen in einem sehr hochpreisigen Biomarkt und dann weiter nach Norden Richtung Bar Harbor, denn hier wollten wir uns vor Hurricane ERIN in Sicherheit
bringen, der nun immer näherkam und beängstigend an Größe und Stärke zunahm. Wir hatten uns für die kritischen Tage, Freitag und Samstag, den einzigen Fjord der Ostküste nahe Bar Harbor
ausgeguckt, der sehr weit ins Landesinnere und um ein paar Kurven ging. Wir stimmten unsere Entscheidung noch mit Ed ab und auch er war der Meinung, dass wir keinen besseren Ort würden finden
können.
Über einen Zwischenstopp in West Brooklin, kamen wir mittwochs, vorbei an einigen sehr beeindruckenden Anwesen, im Somes Sound an, wollten eigentlich 2 Nächte ankern und hatten dann, während Hurricane ERIN, eine Boje gebucht.
Um uns herum cruisten wunderschöne, klassische Motor-und Segelboote edelster Sorte. Maine hat einige Bootswerften, die diese Schönheiten herstellen und offensichtlich gibt es viele Liebhaber, die bereit sind, den Pflegeaufwand zu investieren. Wir haben noch nie so viele schöne Boote gesehen.
Auf der Suche nach einem Platz zum Ankern in der kleinen Bucht, kam uns ein Motorboot mit einem Paar entgegen, das uns Zeichen machte und zurief, wir könnten an Boje 406 festmachen, wenn wir wollten. Sie fuhren nochmal zurück und zeigten uns die entsprechende Boje. Wow, das war ein tolles Angebot, das wir gerne annahmen. Wir machten an der Boje fest und nahmen das Seil sehr kurz, weil ein Boot an der Boje hinter uns nicht so sehr weit weg war. Endlich fest, machten wir uns Gedanken, wann der Eigner der Boje wohl zurückkommen würde, wie lange wir bleiben könnten und ob wir am nächsten Tag das Boot verlassen könnten. All unsere Bedenken lösten sich in Luft auf, als eine Stunde später das Motorboot zurückkam und Allen uns erklärte, dass die Boje jemandem gehörte, der sowieso nie kam. Auf unsere Frage, wie lange wir wohl bleiben könnten: „a hundred years, if you want!“ verabschiedete er sich (er wollte kein Bier) und ließ uns ein bisschen sprachlos zurück … so nett!
Wie sagten die gebuchte Boje ab und bekamen 105 Dollar zurück … Jackpot … ein super geschützter Platz und eine kostenlose Boje! Der Eigner des Segelbootes an der Boje hinter uns, Dave, kam vorbei und war nicht wirklich begeistert, aber wir versprachen, ein Auge auf den Abstand zu haben. Wir stellten uns den Wecker auf 2.30 Uhr nachts, den Zeitpunkt, wenn die Tide kippt, sich die Boote in der Strömung um 180 Grad drehen, aber der Abstand blieb o.k.
Gegen Abend kam ein sehr schönes Catboot vorbei „Petunia“ und Martha, Tom und Stella, ihre Tochter, kamen vorbei, um Hallo zu sagen. Wir luden sie auf ein Bier ein, sie machten ihr Boot fest und
wir plauderten eine Weile über Boote, Politik, die USA, Deutschland und schnell war klar, dass wir auf derselben Wellenlänge unterwegs waren. Die tolle Begegnung endete mit einer Einladung zum
Einkaufen für den nächsten Tag.
Morgens früh sahen wir beim ersten Rundumblick über die Bucht 4 Fischerboote ganz nah bei uns, die durch das Bojenfeld kurvten und Netze auswarfen. Ein Boot vor unserem Bug hatte eine Riesenmenge
Fische im Netz, die sie mit einem Kescher in mindestens 15 große blaue Fässer abfüllten … eine Robbe steckte immer wieder den Kopf aus dem Wasser und sah sich das Geschehen sehr interessiert an,
die anderen Boote hatten weniger Glück an diesem Tag.
Später fuhren wir mit dem Dinghi zum Cottage, das einen eigenen Steg hatte und ein paar Bojen, an denen die 4 Boote (3 Segelboote in verschiedenen Größen und ein Motorboot) der Familie lagen … Petunia kannten wir ja schon.
Das super schöne Cottage von 1973 hatten Marthas Eltern gebaut und es wurde nun von der Familie abwechselnd im Sommer genutzt. Martha fuhr mit uns im Pick Up nach Southwest Harbor, ein kleines Städtchen, zum Bäcker, zum Supermarkt und zu einer Biofarm zum Gemüse kaufen … der pure Luxus für uns, vielen Dank Martha! In einigen Läden und vor manchen Privathäusern sahen wir Schilder „No Kings“ oder „Resist“, der dezente Hinweis darauf, was die Bevölkerung von der derzeitigen Politik hält.
Es ist immer toll, mit Locals zu reden und Informationen aus erster Hand zu bekommen.
Auf dem Rückweg vom Einkaufen fuhren wir noch am, im Bau befindlichen, neuen Haus vorbei. Tom ist Architekt und hatte das Haus selbst entworfen, sehr beeindruckend, rundum mit Schindeln aus Zedernholz verkleidet (allein für das Dach 25 000 Stück) und mitten im Wald. Wir verabschiedeten uns „see you again, soon“ und fuhren mit dem Dinghi zurück.
Wir nutzten den Tag, bevor ERIN in Maine eintreffen sollte, für einen Ausflug mit dem Bus nach Bar Harbor.
Auf Mount Desert Island gibt es 12 kostenlose Buslinien, den Island Explorer, mit denen man über die Insel und durch den ACADIA-Nationalpark fahren kann … großartig.
Bar Harbor ist ziemlich touristisch, Stella hatte uns schon vorgewarnt, mit einem T-Shirt- und Giftshop neben dem anderen … treffender Spruch auf einigen T-Shirts „more trees, less assholes“ … können wir bestätigen! Gott sei Dank war an dem Tag kein Kreuzfahrtschiff im Hafen, das hatten wir vorher gecheckt.
Wir schlenderten ein bisschen rum und entschieden uns für eine weitere Bustour zum Sand Beach, einem Sandstrand, der auch gut besucht war. Bei 14 Grad Wassertemperatur waren allerdings nur die ganz Harten im Wasser. Als wir so dasaßen, kam eine Gruppe seltsam gekleideter Menschen an den Strand … die Männer und Jungs in Stoffhosen, Hemden mit Hosenträgern und breitkrempigem Hut … die Frauen und Mädchen in langen Kleidern und einer weißen Kappe … etwa 25 Personen. Die Leute blieben weitgehend unter sich und zwei Männer gingen in voller Montur ins Wasser … Brrhhh! Wir tippten auf Amish People, was sich bei späterer Recherche bestätigte … eine Glaubensgemeinschaft, die sehr ursprünglich lebt, ohne Autos, ohne öffentliches Elektrizitätsnetz und moderne Technologie, ohne Waschmaschinen (super mit den Klamotten voller Salzwasser) mit einfacher Kleidung und sehr disziplinierten Regeln … ein sehr spannendes Konzept, das wohl die meisten von uns überfordern würde.
Zurück in Bar Harbor gingen wir was essen, ein paar Einkäufe erledigen und fuhren mit unserer Buslinie 7 zurück zum Boot.
Freitags blieben wir am Boot, denn es war schwer einzuschätzen, was ERIN für Auswirkungen haben würde. In unserer geschützten Bucht bekamen wir fast nichts mit von dem Hurricane … ein bisschen Wind und eine Miniwelle, also absolut kein Problem.
Samstags war ERIN schon so weit vorbeigezogen, dass wir uns trauten, Jobber allein an der Boje zu lassen. Wir hatten Martha und Familie zum Sundowner eingeladen, aber sie hatten andere Pläne und luden uns stattdessen für den Abend ins Cottage zur Pizza mit Freunden ein.
Wir fuhren mit dem Bus nach Bas Harbor und hatten uns einen kleinen Hike, den Ship Yard Trail, vorgenommen. Er führte uns durch sehr ursprüngliche Wälder, an Blaubeersträuchern und Steinstränden vorbei, landschaftlich sehr reizvoll. Da unser Bus erst 2 Stunden später kam, um uns wieder nach Southwest Harbor zu bringen, versuchten wir zu trampen. Ein älteres Ehepaar nahm uns mit und brachte uns, obwohl sie eigentlich ein anderes Ziel hatten, in die Stadt … ein weiteres Beispiel für diese unglaublich gastfreundlichen Menschen in Maine. Immer wieder sind wir erstaunt und können es nicht glauben. In Southwest Harbor kauften wir ein Baguette, Käse und eine Flasche Bier und fanden ein nettes Plätzchen auf einer Bank neben einer Kirche für unser Picnic.
Abends ging es mit dem Dinghi zum Cottage und wir packten nach über 2,5 Jahren mal wieder unsere Segelhosen aus, denn das Wasser war ein bisschen bumpy und wir wollten halbwegs trocken ankommen.
Ebenfalls zu Besuch war eine Harvard Professorin mit ihren Zwillingen (13), die unglaublich „smart“ waren für ihr Alter … alles in allem ein sehr schöner Abend in vertrauter, lockerer und familiärer Atmosphäre mit selbstgemachter Pizza und spannenden Gesprächen. „Erzählt allen Leuten, die Ihr kennt, dass wir nicht einverstanden sind mit der Situation im Land … wir tun, was wir können!“
Am nächsten Tag war Abreise geplant nach Cambridge, wir verabschiedeten uns also, in der Hoffnung, uns irgendwann wieder zu treffen. An dieser Stelle möchte ich Martha aus einer späteren Mail zitieren: „Getting to know you was just a delight for us too! Maybe there`s hope for the world if people keep reaching out to each other in friendship, along with a little cake and wine?“
Dem gibt es wohl nichts hinzuzufügen.
Sonntag blieben wir an Bord, weil viel Wind angesagt war und wir unserer Boje nicht so 100-prozentig über den Weg trauten. Beim Routinecheck der Bilge stellten wir Salzwasser fest, nicht viel, aber genug, um der Sache nachzugehen. Also alles umräumen, trockenlegen, Wassermacher einschalten und gucken, wo es tropft. Schnell war klar … es ist das Filtergehäuse, das einen Riss hat und leckt.
Na gut, dann blieben wir also noch einen Tag und fuhren am nächsten Morgen mit dem Bus nach Southwest Harbor, weil es regnete, mit Regenjacke und Crocs (wir würden ja nicht weit laufen müssen, der kleine Baumarkt war nur ein paar Schritte von der Bushaltestelle entfernt).
Im Baumarkt gab es ein Filtergehäuse, aber nicht das, was wir suchten. Man schickte uns zu West Marine, einen Kilometer entfernt, die hatten das Teil auch nicht, konnten es vielleicht bestellen bis Ende der Woche, aber die Anschlüsse würden wahrscheinlich nicht passen … also zurück und noch zu Hamilton Marine … 1,5 Kilometer durch den Regen und in den glitschigen Crocs. HM hatte unser Teil auch nicht, konnte es aber für den darauffolgenden Tag bestellen, mit dem Risiko, dass die Durchmesser der Anschlüsse vielleicht auch nicht passen. Man könnte es auch noch im Home Depot versuchen, aber ohne Auto (halbe Stunde Fahrt) keine Chance. Wir bestellten also das Ding.
Ein anderer Kunde, der die Diskussion mitbekam, bot spontan an, uns das Teil vom Home Depot mitzubringen, falls es nicht passen sollte, er würde am Mittwoch dorthin fahren … wir tauschten Telefonnummern aus und bedankten uns für das Angebot … so nett! Also gings patschnass zum Frühstücken, was sich als echtes Highlight herausstellte. So … den Rest des Tages wollten wir es uns gemütlich machen bei dem Regenwetter und einen Film schauen.
Wir schalteten den Generator ein, denn der Tag war ja so trüb und die Solarpaneele hatten nicht so viel Energie geliefert, wie an einem sonnigen Tag. Wenn wir den Schalter drücken, halten wir jedes Mal die Luft an: Ob er wohl anspringt? Er machte keinen Mucks … das durfte doch einfach nicht wahr sein! Nach der Reparatur des elektrischen Anschlusses und dem Tausch der Wasserpumpe vor 4 Wochen waren wir zuversichtlich, dass nun alles gut sein würde, wenigstens für eine Weile … weit gefehlt! Das war dann schon die zweite Baustelle und Thomas machte sich zum zigsten Mal an das Zerlegen des Generators, nix mit gemütlich … das ist so frustrierend!
Es stellte sich heraus, dass sich die selbstgebastelten elektrischen Anschlüsse aus Edelstahl praktisch aufgelöst hatten, und das innerhalb von 2 Monaten! Das war erschreckend und konnte doch fast nicht sein.
Thomas postete die Katastrophe im WhatsApp-Status und abends meldete sich doch tatsächlich, nach 2 Jahren, Eber, unser genialer, junger Mechaniker aus Mindelo (Kap Verden), der damals schon ohne Bezahlung den Generator vor der Atlantiküberquerung repariert hatte. Er schrieb: „Oh mein Freund … bitte tu das nicht, um Himmels Willen. Edelstahl und Kupfer vertragen sich nicht, das gibt einen Kurzschluss, das geht so nicht! Man muss Kupfer oder verzinntes Kupfer verwenden. If you need help, just let me know!“ Wir waren so gerührt, dass dieser junge Kerl, der sicher anderes zu tun hatte, wieder versuchte, uns zu helfen. Das ist es, was wir so oft erfahren haben auf unserer Reise, dass es Menschen jeden Alters gibt, die einfach hilfsbereit sind, ohne irgendetwas davon zu haben oder irgendetwas dafür zu erwarten. Wir hoffen, das irgendwann mal zurückgeben zu können.
Dienstag stand also die nächste Runde zum Thema Ersatzteile auf dem Programm … den Busfahrplan hatten wir mittlerweile im Kopf. 1. Station kleiner Baumarkt: Schrauben … es gab nur Messing, aber besser als nix, 2. Station Frühstück: lecker, 3. Station Hamilton Marine: das bestellte Filtergehäuse war da, aber die Durchmesser und Gewinde der Anschlüsse passten nicht, schade! Dafür gab es Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben aus Bronze (besser als Messing), immerhin! 4. Station kleiner Baumarkt: wir kaufen doch das Filtergehäuse, das anders aussieht, aber hoffentlich irgendwie passt. 5. Station Bus zum Boot und Basteln.
Am Ende des Tages waren beide Baustellen abgearbeitet, der Wassermacher war wieder dicht und der Generator lief wieder … Halleluja!
Eine weitere Baustelle hatte sich in der Zwischenzeit aufgetan: Ein paar ziemlich große Ameisen waren in der Nähe des Navitisches aufgetaucht … nach Kakerlaken und einer Ratte an Bord nun auch das noch! Wir hatten vorsorglich schon ein paar Fallen gekauft und unserem Arsenal an Giften und Fallen hinzugefügt, weil wir schon mal eine einzige Ameise im Bereich unserer Vorräte gesichtet hatten. Nach den einschlägigen Erfahrungen reagierten wir nun sehr empfindlich auf jegliches Viehzeug.
Nach den ganzen Reparaturen konnte es jetzt weiter gehen und am nächsten Vormittag lösten wir die Leinen der Boje und verließen diesen wunderschönen Fjord, den östlichsten Punkt unserer Reise entlang der Ostküste. Jetzt würde es wieder zurück gehen, entlang einiger Punkte, die wir auf dem Hinweg ausgelassen hatten oder ein zweites Mal besuchen würden. Am 4. September waren wir mit Ed in Port Clyde verabredet. Ende September würden wir in Baltimore sein müssen, denn dort hatten wir einen Hafenplatz für den Oktober gebucht.
Hier unsere Route durch Maine bis zum Umkehrpunkt:


























































































































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Gernot (Donnerstag, 04 September 2025 00:27)
Unglaublich, beeindruckend. Was ihr alles erlebt:
menschlich, sozial, emotional, technisch, ...
Und wie ihr alle unkalkulierbaren Herausforderungen meistert.
Klasse.
Weiter so!
Irene (Mittwoch, 10 September 2025 13:14)
Das war ja wieder eine an Ereignissen dicht bespickte Reiseetappe! Beeindruckend - auch die Reparatur der Sorgenkinder! Gratulation!
Und, wie heisst es doch so schön: wie es in den Wald hinein schallt, so schallt es zurück - ihr seid halt zwei so Gute, da muss Gutes zurück kommen!