Chesapeake Bay – Delaware Bay

 

Wir entschieden uns, noch eine weitere Nacht in Hampton zu bleiben, da an diesem Tag sowieso schwacher bis gar kein Wind, aber sehr hohe Temperaturen angesagt waren. Blöderweise kamen wir morgens nicht in die Puschen und fuhren mit dem Dinghi erst nachmittags zum Einkaufen, also in der größten Hitze. Vom Dinghidock waren es etwa 1,5 Kilometer zum Supermarkt, was bei 38 Grad mit einem Rucksack eine absolute Tortur war… klar, dass die Straßen wie leergefegt waren … fehlten nur noch diese Knäuel, die man aus Western kennt und die immer durch die Wüste gefegt werden. Völlig durchnässt und mit hochrotem Kopf kamen wir bei Shrimp Shack, einem Fischimbiss an, wo wir etwas essen wollten. Einheimische guckten uns etwas unverständlich und mitleidig an. Es gab Burger mit Flunder und Süßkartoffelpommes … lecker! … wären da nicht die Eiswürfel in der Cola, die mit Chlor versetzt waren, völlig ungenießbar! Wir versuchten es ohne Eiswürfel, was natürlich nichts brachte, denn das Konzentrat in dem Automaten wurde natürlich auch mit dem chlorhaltigen Leitungswasser gemischt … okay!

 

 Der Supermarkt um die Ecke war klimatisiert und super sortiert. Wir kauften also so viel ein, wie in die Rucksäcke passte und schleppten uns durch die Hitze wieder zurück zum Dinghi und zum Boot.

 

 

Abends starteten wir unseren Generator, weil die Solarpaneele und der Windgenerator, besonders bei Windstille, nicht ausreichen, um den täglichen Energiehaushalt mit zwei Kühlschränken, Navigation und Starlink zu decken und nada … er machte keinen Mucks. Thomas checkte die neuralgischen Punkte leider ohne Erfolg. Es war nicht das erste Mal, dass unser Generator streikte und meistens war es mit größerem Aufwand verbunden, ihn wieder zum Laufen zu überreden. O.K. man kann natürlich den Volvo anwerfen, um die Batterien zu laden, was wir dann auch taten, aber das tut ihm nicht so wirklich gut und außerdem erzeugt er ordentlich Wärme im Schiff und das bei sowieso schon über 30 Grad nachts. Also hatten wir wieder mal eine neue Baustelle und am nächsten Tag sollte noch eine dazu kommen.

 

 Wir starteten um 6.00 Uhr morgens Richtung Deltaville, da war es noch etwa eine Stunde lang auszuhalten, bevor die Sonne so richtig vom Himmel brannte. Wir warfen unterwegs den Wassermacher an, um unsere Tanks zu füllen. Das klappte gut, nach ein paar Stunden waren beide Tanks voll, aber die Druckwasserpumpe stellte den Dienst ein, so dass wir an das Wasser in den Tanks nicht rankamen. Wir ankerten in einer Bucht nahe Deltaville „Fishing Bay“ vor einem Yachthafen und die erste Aufgabe war der Tausch der Wasserpumpe, für die wir glücklicherweise einen Ersatz im Fundus hatten und das war in 15 schweißtreibenden Minuten erledigt.

 

 

Der Generator war eine härtere Nuss, irgendwie bekam er zu wenig Spannung, soviel war klar. Nach Überprüfung der Batterien, des Bedienpanels, diverser Relais, Anschlüsse und Kabel, beschloss Thomas, den Anlasser zu zerlegen. Dies war eine ziemliche Sauerei, denn das Ding war dreckig, ölig und verkrustet und nach gründlicher Reinigung innen und außen, stellte sich heraus, dass er wohl nicht die Fehlerquelle war. So langsam war Mc Gyver mit seinem Latein am Ende und leicht frustriert.

  

Wir brauchten also Hilfe und nahmen Kontakt zu verschiedenen Boatyards in der Nähe auf. Wenn es um Generatoren von Fischer Panda (deutscher Hersteller) geht, hatten wir schon oft die Reaktion: „Ooooh, schwierig … andere okay, aber Fischer Panda … keine Chance.“ Die letzte Reparatur war in Curacao, also noch nicht so lange her, etwa 6 Monate. Wir telefonierten mit John, der im Internet als Vertragspartner von Fischer Panda gelistet war und vereinbarten einen Termin in seiner Werkstatt in ein paar Tagen, ein Lichtblick.

  

 

Thomas packte dann doch der Ehrgeiz und er hatte noch eine Idee. Er demontierte ein paar Teile und checkte den Anschluss von Batterie zum Generator und siehe da, von dem Anschlussterminal aus Kupfer war so gut wie nichts mehr vorhanden und dies war sehr wahrscheinlich der Grund für die geringe Spannung. Wir riefen John an und er versprach, mit dem Hersteller Kontakt aufzunehmen, von den anderen 3 oder 4 Werften kam keinerlei Rückmeldung. Das Teil, das wir brauchten, wurde aber nicht mehr hergestellt. Jetzt war wieder Mc Gyver gefragt und er bastelte aus Schrauben, Unterlegscheiben und Sprengringen ein neues Anschlussteil aus Edelstahl. Alles wurde wieder zusammengebaut und der große Moment … Schalter an … LÄUFT! Das Rumgekrieche im Motorraum bei über 38 Grad unter Deck (bis zu dem Wert misst unser Thermometer und es stieg regelmäßig aus) hatte sich gelohnt … großartig … wir hatten es aus eigener Kraft hingekriegt und waren mächtig stolz! (Klick hier für ein Video).

 

 

 

Am nächsten Tag, ein Samstag, buchten wir ein „Day Ticket“ beim Hafen, vor dem wie ankerten, was beinhaltete, dass wir die Einrichtungen des Hafens nutzen durften z.B. die Müllcontainer, den Pool und das Hafenauto … das Ganze für 25 Dollar. Wir fuhren also im klimatisierten Auto zum Ship Shop und zum Einkaufen, was eine echte Plastiktütenschlacht war, man bekommt automatisch alles in Tüten, manchmal in Doppeltüten, verpackt … Ausbeute: 10 Plastiktüten! Den Abend verbrachten wir im Pool und mit Plaudereien mit Einheimischen. Wir bekamen ein paar Tipps für Häfen während unseres Deutschlandaufenthalts und gute Wünsche für die Weiterreise.

  

Am nächsten Tag verließen wir Fishing Bay, um unseren Weg durch die Chesapeake Bay fortzusetzen. Der Ankerplatz im Smith Creek wird uns wegen der gnadenlosen Hitze, dem nicht vorhandenen Wind und den dafür sehr zahlreichen Quallen in Erinnerung bleiben, ansonsten gab es dort nichts.

 

Der folgende Tag führte uns zu den Solomons, hier ankerten wir in der Nähe eines Militärflughafens, wo Düsenjets, Militärmaschinen und Hubschrauber über uns hinwegbrausten … immerhin gab es eine Fanfare bei Sonnenuntergang „täteräterätätä“.

 

 

Die nächste, etwas längere Etappe endete in Annapolis, der Heimat der Navy Academy, einem Segelmekka und Ort einer der größten Bootsmessen des Landes. Wir schauten uns die Ankerbucht und das Bojenfeld in Stadtnähe an, entschieden, dass es uns hier zu voll war, und fuhren zur nächsten kleinen Bucht hinter einer Brücke, in der Nähe eines kleinen Sees (Shady Lake) und in Sichtweite einiger sehr schicker Häusermit Bootsstegen. Ebenfalls in direkter Nachbarschaft war ein brütendes Seeadlerpaar mit einem ständig piependen, hungrigen Jungvogel, alles in allem sehr ruhig und friedlich. Wir warfen den Anker, klappten noch die Seitenteile des Biminis runter, als auch schon ein gewaltiges Gewitter mit Starkregen auf uns runter prasselte, das war eine Punktlandung. Wir packten schnell unsere elektronischen Geräte in den Backofen und außer eines Wassereinbruchs in Juttas Bett passierte nichts.

 

Wir buchten online noch Tickets für die Besichtigung der Navy Academy (unter Angabe unserer Adresse in Deutschland) für 11.00 Uhr und 31 Dollar am nächsten Tag.

  

 

Mit dem Dinghi gings in die Stadt zum Dinghidock, soweit alles gut. Am Eingang der Academy erfuhren wir dann, dass wir ohne US-Pass keinen Zutritt bekamen. Man studierte unsere Pässe, stellte ein paar Fragen, um uns dann vor die Tür zu setzen. Es gäbe ein neues Gesetz und ab Mai hätten nur noch US Bürger Zutritt. Wir versuchten noch, das Geld für die Tickets zurückzubekommen, ohne Erfolg … das sei im System nicht vorgesehen. Mittelmäßig enttäuscht und auch ein bisschen sauer, verließen wir das Gelände, schauten uns die Stadt an und gingen ein Eis essen (8,50 $ für eine Kugel) und einen Cocktail trinken.

  

Wieder am Boot recherchierten wir, was es mit dem neuen Gesetz auf sich hat und fanden heraus, dass die Zugangsbeschränkung für Ausländer in militärischen Einrichtungen schon vor etwa 20 Jahren im Zusammenhang mit 9/11 beschlossen, und erst jetzt umgesetzt wurde … man hätte also 20 Jahre Zeit gehabt, die Website anzupassen … war wohl zu kurzfristig! Jutta konnte sich nicht verkneifen, noch ein paar entsprechende Rezensionen an Google, Tripadvisor und an die Academy selbst zu schreiben. So tappt vielleicht der nächste Nicht-Amerikaner nicht in die gleiche Falle. Ein paar Tage später bekamen wir eine E-Mail von der Academy mit sehr freundlichen, bedauernden Worten und der Möglichkeit, unsere Ticketkosten zurückerstattet zu bekommen, lohnt sich doch manchmal, den Mund aufzumachen.

  

Wir verbrachten noch einen zusätzlichen Tag in Annapolis und nutzten die Zeit, um Flüge, Bahntickets, Arzttermine zu buchen und Häfen in Baltimore anzufragen, wo wir im Oktober einen Platz für Jobber brauchen würden, während wir in Deutschland sein würden.

  

Abends fuhren 1001 Motorboot an uns vorbei, wohl in Richtung eines Feuerwerks am Vorabend zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli. Die Villen um uns herum wurden mit riesigen Flaggen geschmückt und abends fuhren alle Motorboote wieder zurück in die Stadt, ein Nachbar aus unserer Bucht mit einer Riesenwelle, knapp an unserem Bug vorbei und in der Kurve noch den Fäkalientank öffnend … nett ist anders!

  

Wir philosophierten noch darüber, wieso unser Eindruck von Annapolis so negativ gefärbt war. Hatten wir einfach Pech? Segelfreunde hatten ihren Aufenthalt vor einem Jahr so positiv geschildert. Hatte sich was verändert in dem Jahr oder war unser Eindruck so subjektiv und beeinflusst von den täglichen Trump-Nachrichten … der Big Beautiful Bill, die an diesem Tag durch den Kongress ging? Wir waren uns nicht so recht schlüssig und wurden das Gefühl nicht los, nicht so wirklich willkommen zu sein in diesem Land. Das Gefühl hatten wir in den fast 3 Jahren, die wir nun unterwegs waren, noch nicht kennengelernt.

  

 

Am nächsten Morgen, dem 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag verließen wir früh unsere kleine Bucht und waren nicht allein auf dem Wasser … gefühlt war jeder, der ein Motor- oder Segelboot oder einen Jetski hat, unterwegs und krachte mit möglichst großen Stars and Stripes Flaggen über die flachen Gewässer.

 

Wir fuhren unter einer der zwei Brücken hindurch, die die Chesapeake Bay überqueren … eine ist ganz im Süden und die zweite zwischen Annapolis und Baltimore (Klick hier für ein Video). Ein anderer Segler meinte, er müsse eine Regatta mit uns veranstalten, fuhr uns direkt vor der Nase her, obwohl wir Vorfahrt hatten und drehte kurz danach um, um in die entgegengesetzte Richtung zu fahren … was immer das sollte!

 

Wir fanden einen Ankerplatz, der nicht zu weit vom Eingang des Chesapeake-Delaware Kanals (etwa 18 Seemeilen) entfernt war, den wir am nächsten Tag passieren wollten. Auch hier war abends die Hölle los, hunderte von Booten krachten gleichzeitig an uns vorbei in die gleiche Richtung … hatten die sich verabredet? Dann gab`s rundrum Feuerwerk und viele Flaggen. Irgendwann war der Spuk schlagartig vorbei und wir konnten in die Koje, denn wir wollten am nächsten Morgen früh los, um mit der Strömung durch den Kanal zu rutschen. Der Kanal war eher unspektakulär, was man von den Booten, die uns überholten, nicht sagen konnte. Es gab Speedboote, die aussahen, wie aus einem Marvelfilm entsprungen … Captain America … passte irgendwie! (Klick hier für ein Video).

  

 

Wir ankerten mit einigen anderen Booten am Ausgang des Kanals links ab, wo viele große Schiffe in Sichtweite passierten Richtung Philadelphia. Diese Ankerplätze sind nicht so ganz einfach, weil man auf die Wassertiefe, die Tide und die Strömung achten muss. Man dreht sich alle 6 Stunden um 180 Grad, der Anker muss halten und man sollte genügend Platz um sich herumhaben, um nicht auf irgendwelche Flachstellen oder andere Boote getrieben zu werden … der Ankeralarm ist hier also ziemlich wichtig.

 

 

Wir verließen den Ankerplatz wieder mal früh und hatten berechnet, dass wir mit der Strömung von hinten und dem Wind von vorn, was eigentlich blöd und holprig ist, gegen 15.00 Uhr am nächsten Ankerplatz im Back Creek sein sollten. So sehr viele Möglichkeiten gab es mit dem Tiefgang unseres Bootes leider nicht. Um 15.00 Uhr war einsetzendes Hochwasser, das uns über die Flachstelle am Eingang des Back Creeks bringen sollte. Es gab so viele Crab Pods, um die wir herumjonglieren mussten, dass es ein ziemlicher Eiertanz war. Wir ließen uns treiben ohne Motor und somit ohne Propeller, so dass wir uns keine Leine einfangen würden. Unterwegs hatten wir uns schon einen Pod eingefangen, den der Ropecutter, der vor dem Propeller montiert ist, zuverlässig abgeschnitten hatte, bevor er sich um den Propeller wickeln konnte. Das Ding, dass nicht ganz billig war und das wir auf Anraten unseres holländischen Schraubers montieren ließen („entweder richtig oder gar nicht“), hatte sich also zum ersten Mal bewährt. Jutta saß auf dem Vorschiff mit einem Handfunkgerät und dirigierte den Steuermann um die Pods herum: „nächster Pod auf 1.00 Uhr!“ Alles ging gut und wir erreichten den Ankerplatz neben einem versunkenen Haus und sonst nichts … Sumpfgebiete, soweit das Auge reichte.

 

Kaum war der Anker im Wasser, als sie uns schon überfielen … „Greenheaded Horseflies“ … eine unglaubliche Plage! Sie hatten nur auf uns gewartet und kamen zu Dutzenden. Ein bisschen unbeholfen setzten sie sich auf jedes freie Stück Haut und bissen rein, was ziemlich schmerzhaft war. Thomas versuchte noch, ein paar zu erschlagen, aber es kamen immer mehr. Schnell gaben wir auf, verbarrikadierten uns im Schiff und zogen die Fliegengitter auf. An draußen Sitzen war nicht zu denken.

 

Morgens waren sie immer noch da … Thomas schlug um sich, zerdepperte die Fliegenklatsche und Jutta lichtete den Anker und dann nichts wie weg! Ein paar von den Biestern verfolgten uns noch auf dem Rückweg durch das Labyrinth der Flachstellen und Crab Pods. Der Wind hatte zugenommen, Jutta saß auf dem Vorschiff, das heftig auf und ab ging auf dem umgedrehten Dinghi und kriegte ein paar Wellen ab, aber wir kamen unbeschadet zurück ins Fahrwasser. Unterwegs sahen wir seltsame Dinge im braunen Wasser treiben. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass es große Pfeilschwanzkrebse waren, die aufrecht, also mit dem Schwanz nach unten, in der Strömung trieben. Google sagte, dass sie hier in der Delaware Bay laichen. Wir kannten die Tiere nur aus dem Zoo und da fanden wir sie schon ziemlich eklig … noch ein Grund mehr, nicht ins Wasser zu gehen.

 

 

 

Die Strecke ans Ende der Delaware Bay war sehr holprig mit kurzer Welle, ging vorbei an ein paar sehr schönen, alten Leuchttürmen, wir erreichten Cape Henlopen am Nachmittag und ankerten hinter der Mole eines Fähranlegers.

 

Wir verbrachten den Rest des Tages mit der Planung der nächsten Etappen. Eigentlich wollten wir nach Cape May, was auf der nördlichen Seite der Flussmündung des Delaware Rivers liegt, denn wir brauchten in absehbarer Zeit eine Tankstelle, an die man mit unserem Tiefgang heranfahren kann (gar nicht so einfach zu finden) und einen Ankerplatz, der ebenfalls mit unserem Tiefgang machbar war. Cape May hatte eine Großveranstaltung für Hochseefischer (Startgebühr 1800 $), da würde es also voll sein und wir brauchten Plan B.

 

Nach langwieriger Recherche in unserem Revierführer und im Internet, entschieden wir uns für Atlantik City, es erfüllte unsere Kriterien und die Länge der Etappe war auch o.k.  Der Wetterbericht sah die nächsten Tage noch ganz gut aus für den Weg nach New York, wo wir spätestens am 17. Juli sein wollten, denn Johanna hatte einen Flug für den 18. gebucht. Der Wind sollte nicht sehr stark, aber von Süden wehen … ab Freitag käme er von Norden, da wäre das Wetterfenster also zu.

  

 

Na gut, dann ging es also am nächsten Tag weiter, leider bei weniger Wind als angesagt war, so dass wir motoren mussten. Wir erreichten Atlantic City nachmittags … es war schon von weitem zu sehen mit seinen Hochhäusern und der Vergnügungsmeile am Strand, Riesenrad, Achterbahn, Kettenkarussell und noch ein paar weitere Fahrgeschäfte.

Atlantic City ist das Las Vegas der Ostküste mit Casinos und dem ganz großen Unterhaltungsprogramm … nichts für uns!

(Klick hier für ein Video).

Die Tankstelle war super, wir hatten ruck-zuck Diesel für 950 $ im Boot und der Ankerplatz hatte viel Strömung, war aber ansonsten o.k.

 

Rundrum hatten wir Sandstrände, auf die man mit dem Pickup fährt, die Klappstühle direkt hinter den Kofferraum stellt und dann erstmal die Stange mit der US-Flagge neben das Auto in den Sand steckt. Strandleben ist hier wohl etwas anders. Wir saßen im Cockpit, schauten uns die Fischerboote an, die sich um uns herum von der Strömung treiben ließen und staunten über die dunklen Wolken über der Skyline.

 

 

Da die nächste Etappe von 80 Seemeilen nicht an einem Tag zu schaffen sein würde, planten wir am Spätnachmittag zu starten, über Nacht zu segeln und am nächsten Tag in Sandy Hook vor den Toren von New York zu sein … kein guter Plan, wie sich herausstellen sollte.

  

Der Wind war wieder mal nicht so kräftig, wie angesagt und wir schlichen mit 3-4 Knoten Geschwindigkeit und ausgebaumtem Vorsegel dahin. Gegen Abend fing der Himmel um uns herum in immer kürzeren Abständen großflächig zu leuchten. Wir beobachteten das, aber zunächst war das nicht bedrohlich, als Thomas um 22.30 Uhr ins Bett ging und Juttas Schicht startete. Um 23.00 Uhr weckte Jutta den Skipper, weil das Leuchten in immer kürzeren Abständen kam und wir packten alle Tabletts und Laptops in den Backofen (Faradayscher Käfig) (Klick hier für ein Video).

 

Kurze Zeit später bekam Jutta eine automatische Tornadowarnung für die Region auf ihr Handy. Da wurde uns langsam mulmig und wir rollten das Vorsegel weg. Der Wetterbericht zeigte eine riesige Gewitterfront hinter uns und wir gaben mehr Gas, in der Hoffnung, schneller zu sein als die Front … keine Chance. Wenig später brach die Hölle los mit starken Böen und großflächigen Blitzen, wie wir sie noch nie erlebt hatten. Eine starke Böe legte Jobber auf die Seite und im Inneren flog alles rum, was noch nie seinen Platz verlassen hatte. Jutta ging unter Deck, machte alle Schotten dicht und schrie noch: „Zieh die Schwimmweste an und pick dich neben dem Steuerrad ein!“ Thomas versuchte erfolgreich, völlig durchnässt, Jobber in den Wind zu steuern, so dass die Windangriffsfläche nicht so groß war, das Großsegel stand noch, denn wir hatten es nicht mehr geschafft, es runterzunehmen. Nach etwa 20 furchtbaren Minuten wurde der Wind schwächer und das Gewitter zog über uns hinweg. Es blitzte noch etwa eine Stunde um uns herum, aber das Schlimmste war wohl überstanden.

  

Dies war das Beängstigendste, was wir bisher auf See erlebt hatten und zitternd schauten wir uns um, um zu sehen, ob noch alles da war … fast … unsere neue Flagge samt Flaggenstock war über Bord gegangen, die Solarpaneele waren nach innen verdreht und die Ankerkralle hing außen an der Reling, die konnten wir noch retten. Wieder mal waren wir froh, so ein sicheres, stabiles und tapferes Boot zu haben, aber wir würden wohl noch eine Weile brauchen, um das Erlebte zu verarbeiten.

  

 

Thomas zog trockene Sachen an, ging ins Bett und Jutta übernahm die Wache bis um 5.00 Uhr. Der Wind war komplett eingeschlafen und am späten Vormittag erreichten wir mit noch leicht flatternden Nerven Sandy Hook am Südende der New York Bay. Von hier aus kann man die Skyline von New York City schon erahnen, aber es ist ein Naturschutzgebiet mit Delfinen, Rochen und schönen Sandstränden, an denen fast nichts los ist, außer ein paar Anglern und Seeadlern … genau das Richtige, um ein paar Tage auszuruhen und aufzuräumen.

 

Die alte ausgefranste Flagge wurde an einen Bootshaken gebunden … das geht mal fürs Erste. Bei der Schräglage im Gewitter war an einigen Stellen Salzwasser eingebrochen, u.A. in Juttas Schrank, d.h. alles raus ... trocknen … waschen … Chaos im Boot und seit heute funktioniert der Batteriemonitor nicht mehr … wir bestellen also einen Neuen und eine neue Flagge, die Johanna mitbringen wird … immer irgendwas!

 

 

Hier also die Route von Hampton nach Sandy Hook ... das letzte Stück hart erkämpft!

 

 

Der nächste Blog wird von New York mit Johanna handeln ... wir sind das dritte Mal in "the City, that never sleeps", aber zum ersten Mal auf eigenem Kiel, schon etwas ganz besonderes.

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Kommentare: 2
  • #1

    Searenity (Freitag, 22 August 2025 20:33)

    Danke für diese spannende Lektüre! Ja, was soll man da sagen: er "trieft" von Ereignissen, die die Freude am Bootsleben beeinflussen: Wind (als Antriebsmittel, Abkühlung und Mückenschutz), Wassermacher und Generator.... - egal, wo man ist. Weiterhin gute Reise im Land, wo alles etwas grösser ist.

  • #2

    Searenity (Freitag, 22 August 2025 20:34)

    Weshalb geht der Kommentar immer zweimal weg???? Sorry!